June 23, 2017, Friday, 173

Spiritualität als Werte-Raum für Commons

Aus Commons Sommerschule

Wechseln zu: Navigation, Suche

Zum Prozess: Wir haben uns in diesem Open-Space freiwillig in dieser Gruppe getroffen, weil uns das oben genannte Thema verbindet und angesprochen hat. Gleich am Anfang machte N. den Vorschlag einen Redestab einzuführen, damit wir unsere Erfahrung teilen und uns gegenseitig zuhören können. Diese Regel, der wir alle zustimmten, ermöglichte den folgenden Gruppendialog, der erst handschriftlich mitgeschrieben und später auf dem Computer zusammengefasst und komprimiert zur Dokumentation festgehalten wurde.


P.: Was liegt an der Basis der Commons für ein Raum, aus dem Werte entstehen können? Die 8 Prinzipien von Elinor Ostrom sind deduktiv aus den von ihr erforschten Beispielen abgeleitet worden, dienen der Analyse vorhandener Commons. Sie als einen Überbau über andere Commonsprojekte draufzusetzen, ergibt noch keinen Wertebereich.
Eine wichtige Unterscheidung besteht hier zwischen einer Sollens- und einer Seins-Ethik. Erstere wird von oben gesetzt, wird postuliert. Die kantsche Ethik mit dem kategorischem Imperativ ist ein Beispiel. Seins-Ethik erwächst aus den Erfahrungen spiritueller Praktiken und schafft ein Bewusstsein der Verbundenheit, in der eine ethische Haltung von innen heraus entstehen kann.
Ein mit Spiritualität verbundener Begriff ist für mich Weisheit. Das lateinische Wort dafür ist "sapientia", das sich von "sapere" ableitet (übersetzt: "schmecken") und damit auf eine sinnliche Erfahrung hinweist. „Von den Sinnen zum Sinn“ würde als Merksatz die Ableitung von Werten aus der Erfahrung beschreiben. Wichtig ist noch die Unterscheidung von Spiritualität und Religionen, die als historisch gewachsene Bewegungen in Machtstrukturen eingebunden sind und Spiritualität und Ideologie.

Ni: Gerade in diesem Zusammenhang ist es wichtig, den Vorwurf der Ideologie-Religion im Blick zu haben. Spiritualität kann in diesem Sinne als kritisches Moment gesehen werden, sich von dem Ideologie-Blick zu lösen. Bewusstsein und Achtsamkeit sind hier zwei wichtige Stichworte. Zur Anschauung könnte das Bild eines Eisberges dienen, welcher nur zu einem kleinen Teil über Wasser zu sehen ist und bei dem sich der größte Teil des Berges unsichtbar unter der Wasseroberfläche liegt.

Ne: Einige Stichwörter, die zu Spiritualität gehören: Erleben/ Emotionalität/ Erfahrung/ Sinn/ Zuneigung/ Liebe, gesehen als Beziehung zur Welt und ein Gefühl von Verbundenheit. Aus dieser Liebe kann eine Ethik des Wohlwollens entspringen und sich im Handeln ausdrücken. Wichtig dafür ist eine Rückbindung ausgedrückt in der Frage: Wo befinde ich mich gerade?

S: Ich möchte von einer Klostererfahrung berichten, wo ich eine ganz besondere Form von Gemeinschaft und Spiritualität erfahren habe. Das European Institute of Applied Budhism (EIAB) in Waldbröl. Der Tagesablauf, den ich dort erlebt habe, ist sehr strukturiert. Man meditiert zusammen, isst zusammen und begreift das gemeinsame Leben als Meditation (Geh-Meditation, Koch- und Ess-Meditation, Putz-Meditation,etc.). Durch diesen klar vorgegebenen Rahmen wird eine erstaunlich kreative Energie freigesetzt, die mich teilweise in einen Zustand der kindlichen Freude versetzt hat. Durch die Achtsamkeit konnte somit ein Schutzraum wachsen, indem Platz für „Glücklichsein“ war.

Ns: In meinem Architekturstudium gab es sogenannte Zeichensäle. Diese waren nicht strukturiert und die Werte der hier eng Zusammenarbeitenden sind in diesem Raum und in der Gruppe entstanden: aus dem Kontakt vor Ort im Zeichensaal, der Freundschaft untereinander und dem gemeinsamen Wunsch, miteinander gut aus zukommen und zu arbeiten. Somit sind die Werte aus dem Unsichtbaren gewachsen.
Dies wirft für mich die Frage auf: Hat man als Einzelner Werte oder entstehen Werte eigentlich immer nur im Zusammenhang mit anderen Menschen?

Ni: Für mich eröffnet sich damit die Frage, ob Spiritualität als ein Weg zum Glück gesehen werden kann? Was macht Spiritualität? Sie öffnet zum einen einen Werteraum und sie kann eine Verbindung schaffen mit der Natur und mit anderen Menschen. Für mich ist Glück auch nichts Individuelles, denn Glück kann nur sein, wenn wir alle glücklich sind.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass Spiritualität einen Raum schaffen kann, in dem sich Werte entwickeln und der die Augen dafür öffnet, diesen gemeinsamen Raum auch als gestaltbaren Raum wahrzunehmen.

P: Für mich stellt sich die Frage, ob eine Gemeinschaft nur zu erreichen ist, wenn ich mich verbal miteinander verbinde? Oder öffnet nicht die Erfahrung innerhalb einer Klostergemeinschaft, wie Sarah es erzählt hat, auch einen Raum nonverbal erfahrbarer Gemeinschaft und Verbundenheit?
Philosophie ist laut Heraklit ein Weg des Hörens, des Hörens auf den allen gemeinsamen Logos, der als Sinnstruktur bereits vorhanden ist. Heraklit sagt ebenfalls, dass man niemals in den gleichen Fluss steigen kann, denn alles fließt und verändert sich im Leben. Durch Offenheit und der Möglichkeit zuzuhören, sowohl anderen Menschen als auch der Natur, kann man gemeinsam zu dem Ursprungsraum kommen, der allen gehört und dem wir wiederum angehören. Dieser Logos wird dann im Christentum auch als weltschaffendes Prinzip gesehen. Wenn wir diesen ursprünglichen Raum aufsuchen, wird eine Struktur angeboten, die unsere Wirklichkeit in eine Form bringen kann, in der Glücklichsein auftritt.

Ni: Das habe ich jetzt noch nicht ganz verstanden.

P: Ich habe Religionswissenschaften studiert und habe dort gelernt, dass Weltreligionen sich mit der Antwort auf eine Unheilssituation beschäftigen. Ein erweitertes Verständnis von Religion ermöglicht uns, die damit verbundenen Phänomene auch auf andere Bereiche als Erklärungsmodelle zu übertragen. Philosophie z. B. bedeutet ja die Liebe zur Weisheit und ist in Griechenland in der Achsenzeit aus der Religion hervorgegangen.
Philosophisch gesprochen kann man die Ego-Zentriertheit und Vereinzelung des Menschen durchaus auch als Einhegung, also Abspaltung und Privatisierung vom Ganzen eines umfassender verstandenen Bildes vom Menschen sehen. Eine solche Ego-Einhegung lässt ein Gefühl der Entfremdung entstehen. Gelingt es mir, eine solche Ego-Einhegung zu erkennen und zu überwinden, so kann ich in eine andere Beziehungsqualität kommen, in der der andere nicht mehr als „Mittel zum Zweck“ gesehen und benutzt werden kann. Es kann eine Begegnung auf Augenhöhe stattfinden. Nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit Tieren und der Natur.

S: In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit Georg Simmel's „Philosophie des Geldes“ beschäftigt. In einem Part beschreibt er die „Kultur der Personen“ und sagt, dass sich Menschen nur kultivieren können durch die individuelle Abarbeitung an einem Gegenstand. Bei der Formung der Dinge, formt sich der Mensch selbst. Dieser Prozess ist nicht nur mit materiellen Gegenständen möglich, sondern auch im Denken. Geld allerdings, bietet keinen Widerstand, keine Grenze. Somit entsteht eine Freiheit, die ins Leere läuft und keine Freiheit, die sich potenziert und somit eine neue Ebene erreicht.
Ein anderes Buch, mit dem ich mich beschäftigt habe war „Auf leisen Sohlen ins Gehirn – politische Sprache und ihre heimliche Macht“ von G. Lakoff. Dort wird von den Bildern der „strengen-Vater-Politik“ und der „antiautoritären-Eltern-Politik“ gesprochen. Zwei negative Übertreibungen, die das Gleichgewicht des Bildes der "Grenzen-setzenden-Eltern", die in Liebe und Vertrauen ihre Kinder erziehen wollen, aus dem Blickfeld schaffen.
Freiheit kann nicht im luftleeren Raum stattfinden, Grenzen bringen Klarheit und Struktur.

Ns: Commons ist für mich und seit dem Vortrag gestern, von Silke Helfrich zu dem „Copyfarleft Prinzip“, nicht mehr der leere Raum, sondern wird durch dieses Prinzip mehr und mehr sichtbar. Jetzt kann ich die Commons sehen und ich sehe, dass diese gelben Punkte sich vernetzen, wachsen und sichtbarer werden. Dadurch kann ich mich auch zugehörig fühlen. Commons ist für mich jetzt kein blinder Fleck mehr, weil die Leere sich in der Sichtbarkeit als Nicht-Leere offenbart hat.
Wichtig zu unterscheiden ist sicherlich auch, dass wir bei den Regeln und Strukturen von den Commons noch ganz am Anfang stehen, gerade weil sie lange gar nicht als ein Bereich gesehen wurden. Im Gegensatz dazu hat der Buddhismus eine jahrhundertelange Tradition, somit fällt es leicht, sich auf diese vorgegebenen Strukturen einfach mal für eine Woche einzulassen, denn das Vertrauen ist schon vorher gegeben. In den Commons muss sich das Vertrauen erst noch aufbauen.

P: Die "Definition" eines Begriffes im Raum des Wissens ist schon von der Bedeutung des Wortes her eine Abgrenzung zu je anderen Begriffen. Was genau definiert denn unsere Wirklichkeit? Wer definiert die Wirklichkeit? Hat nicht der, der die Definitionshoheit hat, auch die Macht über das zu bestimmen, was wir sehen und empfinden?! Der aus dem technischen Bereich abgeleitete Netzwerkgedanke ist meiner Erachtens für menschliche Beziehungen zu abstrakt. Zur Zeit bestimmt vor allem die (Natur-)Wissenschaft, was gesehen wird und was nicht. Wissenschaft ist aber immer nur eine Landkarte der Wirklichkeit, und wir verwechseln ständig die Landkarten mit der Landschaft, in der wir uns bewegen. Wir verwechseln ebenso unsere psychische Einhegung, "Ego" genannt, mit der größeren Seelenlandschaft unseres Selbstes.
Freiheit oder Befreiung liegt in der Ablösung unserer Fixiertheit auf Begriffe. Wir erkennen unsere Muster und finden darunter das Feld einer kreativen Offenheit. Emanzipation ereignet sich, wenn die verfälschende Sprache derjenigen durchschaut wird, die ihre Macht sichern wollen.
Im intensiven Kontakt zur Natur kann ich mich aus den im kulturellen Raum vorherrschenden Mustern befreien. Die moderne "Zivilisation" bietet mit ihrer städtischen Kultur eine ständige Überlagerung von Erfahrungsräumen, die in ihrer Interferenz Verwirrung hervorruft. Kultur ist die Natur des Menschen, aber ohne Rückbesinnung auf deren Ursprung in der großartigen Natur der Erde selbst, hat sie ihre Einordnung in einen größeren Raum verloren. Völlig losgelöst kann ich meine Werte nur noch "phantasieren".
Bewusstseinsveränderung kann eintreten, wenn die Unterscheidung von Landkarte und Landschaft klar ist. Hier an der Commons - Sommerschule kommen sehr viele Denk-Landkarten zusammen, die sich im Gespräch langsam übereinander legen und so eine Schnittmenge zu bilden versuchen.
Mein Wunsch wäre, wieder mehr auf die Landschaft, den eigenen Körper und die Natur, zu hören; das ist das, was ich mit erfahrungsbasiertem Wissen und Werten meine.

Ni: Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Commons noch nicht erkannt sind und die Gemeinschaft erst geschaffen werden muss. Denn „Commons werden gemacht“, das schöpferische Moment liegt bei uns. Denn wir schaffen die ganze Zeit die Welt, ohne uns dessen bewusst zu sein. Dies ist ja auch die marxistische Idee der schaffenden Arbeiterklasse, die sich ihrer Macht und schöpferischen Tätigkeit gar nicht bewusst ist.
Um sich aber über dieses bewusst zu werden, braucht es die Reflexion durch Philosophie und Spiritualität. Denn die Gesellschaft wird durch Begegnung geschaffen und nicht durch einen externen Plan oder eine externe Vorgabe.

Ns: Für mich stellt sich die Frage, wieviele Gruppen und Commons-Menschen es eigentlich gibt? Durch die Grenzen und Nutzerrechte bilden sich innerhalb einer Gruppe Werte und dieses sind andere Werte als als die, die nach außen gelten. Wie können sich dann die Gruppen untereinander über ihre Werte austauschen?
Ich glaube auch, dass es nicht „die Commons“ gibt, sondern dass es so viele Commons gibt, wie es Menschen gibt.

S: Für mich gibt es so viele verschiedene Welten, wie es Menschen gibt. Unsere Lebenserfahrung unterscheidet sich grundlegend. Deswegen spielt das Vertrauen in den anderen eine so große Rolle und das Wissen darum, dass die Erfahrung des anderen genauso viel Wert ist, wie meine eigene Erfahrung. Für dieses Vertrauen braucht es den Raum und die Zeit für Austausch.
Ein Philosophie Professor an meiner Uni brachte einmal das Beispiel von zwei Personen, die sich ein Ikonenbild in der Kirche anschauen. Beide erfahren und sagen, dass sie von den Augen des Bildes angeschaut werden. Beide Personen haben Recht. Ein Austausch der Plätze, hin zum Standpunkt des anderen zeigt, dass dieser tatsächlich auch Recht hat. Nun können auch noch andere Bewegungen passieren. Man kann z. B. in die gemeinsame Mitte gehen und sehen, was passiert, oder man spricht mit dem anderen, fragt ihn nach seiner Erfahrung und dem, was er von seinem Standpunkt aus sieht und vertraut auf diese Aussagen.
Somit wird Gemeinschaft durch die Begegnung geschaffen und durch das Zuhören. Wir haben uns hier getroffen, weil uns der gemeinsame Inhalt verbindet und wir nun von unseren Standpunkten auf dieses Thema schauen. Wir haben alle den Platz unsere eigene Erfahrung in diesem Dialog auszudrücken und kommen so zu einem größerem Ganzen. Dies erfordert Vertrauen in uns und auch Geduld, den andern anzuhören.

P: Ich möchte noch mal auf unser Fest gestern Abend zu sprechen kommen. Dort bist du Ni als Hexe aufgetreten. Das Wort Hexe leitet sich von "hagazussa" ab, „die auf den Zäunen/Hecken Sitzende“. Sie gehört zu denen, die „on the edge“ leben, in dem Übergangsbereich der normalen Welt und der Tiefenwelt, die sie sich durch spirituelle Praktiken erschlossen hat.
Ich möchte zu einer anerkennenden Sicht von Hexen kommen, weg von einem aus- und abgrenzenden Begriff wie er für die Hexen z. B. durch das Christentum praktiziert wurde. Denn dies ist ebenfalls eine Art von Einhegung.
Eine spirituelle Praxis schafft einen anderen Zugang zur Wirklichkeit, also eine anderen Erfahrung von Landschaft. Diese wurde bei Hexen beispielsweise auch durch Drogen angeregt und entsprach nicht der Landkarte des Christentums.
Der Glaube daran, die Spitze der Schöpfung zu sein, führt zur Unterdrückung von anderen Lebewesen. Diese Haltung unterdrückt Pluralität und Vielfalt. Es werden dann Fragen gestellt: Wie kann ich andere aus meinem selbstdefinierten privaten Bereich draußen halten, wie kann ich meine Macht behalten?
Ich stelle mir die Frage, ob eine solche Gefahr auch im Bereich der Commons existiert? Gibt es hier eventuell eine Strömung, die andere unbewußt unterdrückt oder durch ihr Vorverständnis von Vorherein ausgrenzt?

Ni: Ich habe drei Punkte, auf die ich gerne noch eingehen möchte:
1. Bewusstseinsbildung und -schaffung durch Machthaber kann als Manipulation verstanden werden. Hierzu gehören Werbung oder auch Ideologie-Religion. Ein Stichwort wäre hier auch die Bewusstseinsindustrie (von Adorno und Horkheimer). Ich denke, dass ein kritisches Bewusstsein eine Voraussetzung ist gegen Ideologie und Unterdrückung. Denn die Kapitalismusideologie hegt das Denken ein z.B. durch ein entsprechendes Männerbild oder die Hipster-Bewegung.

2. Eine Frage: wie gleich müssen wir sein, um Commons zu machen? Wir finden uns als unterschiedliche Individuen mit unseren Erfahrungen im Raum der Commons zusammen. Und es gibt viele Wege zum Glück.

3. Gibt es auch in den Commons U-Boote? Das kann immer passieren, das sind die, die einhegen wollen. Und dann kann man ja ganz genau fragen: Warum willst du die Einhegung?

Nun sind zwei Hummeln I. und K. dazu gekommen und steigen in unser Gespräch mit ein.

K: Ich möchte die Idee des „art of hosting“ vorstellen, welche sich mit der Frage beschäftigt, warum bin ich hier? Warum will ich hier an diesem Tisch arbeiten? Der eigene Zweck ist dann der Grund des Zusammenschlusses. Man kommt auch mit dem Gedanken in die Gruppe, dass der Weg das Ziel ist und Ungereimtheiten werden als produktiv angesehen. Das gemeinsame Verständnis muss sich erst herausbilden, als Wechselspiel wie bei einem Tanz.

P: Wenn ich es richtig verstehe, geht es also um die „Kunst des Gastgebens“ und ein Thema, was die Gruppenmitglieder verbindet. Wie entsteht dann ein Verständnis von dem Thema? Reicht da eine Überschrift?

S: Ich glaube nicht, dass eine Überschrift reicht, da der inhaltliche Anstoß schließlich von Seiten des Einladenden, des Gastgebers kommt. Dieser hat ja schon einen Impuls, der ihn zu der Einladung veranlasst. Somit sollte dieser Impuls auch am Anfang eines Dialoges stehen und die Richtung vorgeben, in die es gehen kann.

P: Ich kann sagen, dass ich die Begriffe „Kunst und Gastgeben“ sehr interessant finde. Denn eine Kunst ist keine Technik. Ein Künstler nutzt bestimmte Mittel und Werkzeuge, um etwas sichtbar zu machen, was vorher auch von ihm nicht gesehen werden konnte. Dies ist ein kreativer Prozess mit einem Bezug zum Unbewussten. Das Unterbewusstsein ist nicht vom Bewusstsein eingehegt.
Technik dagegen geht von einem Zweck und Endziel aus, bei dem schon vorher alles sichtbar sein soll. Der Begriff des Gastgebers ist bis heute in alten Traditionen mit einer spirituellen Haltung verknüpft. Der Gastgeber ist nicht der Organisator einer Party, sondern er hat eine innere Haltung, die den fremden Pilger, das Unvertraute ins eigene Leben integriert. Durch Rituale des gemeinsamen Umgangs findet sich eine Form, in der das Fremde assimiliert werden und zur Integration führen kann.

I: Im Art of Hosting geht es auch um die Wertschätzung des Drumherum. Es geht darum, sich wohl zu fühlen und ein gemeinsames Verständnis von Erlebtem und Ritualen.

Ni: Spiritualität macht also sehend. Wir beginnen Natur und uns selbst und andere zu erkennen. Spiritualität kann gedankliche und äußere Räume schaffen, in denen Fremde einbezogen werden und wie von einem wohlwollendem Gastgeber begrüßt werden.
In unserem Leihladen ist die Spiritualität, verstanden als eine Erwartung, dass es gut wird, oder als Hoffnung, dass es etwas gutes ist, oder Vertrauen, dass es etwas gutes wird, vorhanden. Unser Herz ist da genau so offen wie unsere Tür. Es gibt auch noch einen Satz der mir einfällt: „Wer nicht zuhören kann, der kann auch nicht reden“.

K: Die gemeinsame Regel, die ihr hattet, war für uns Hunmeln ziemlich gut, um uns bei euch einzuklinken. Vielen Dank, dass ihr so offen wart, uns und unseren Beitrag einzubeziehen und eine Verbindung zu unserem Mitgebrachten zu sehen.

S: Ich empfand unseren Dialog auch als etwas sehr stimmiges und authentisches. Wir haben über die Spiritualität als Werteraum gesprochen und dadurch einen Raum erschaffen, in dem wir sehr wertvoll miteinander umgegangen sind. Für mich sind diese ganzen Begegnungen hier auf der Commons - Sommerschule wie kleine Übungsfelder, das auch wirklich zu leben, von dem wir sprechen. Wenn das gelingt, dann empfinde ich solche Räume als sehr kraftspendend und gar nicht anstrengend.

P: Herzlichen Dank für die Zusammenarbeit und den schöpferischen Dialog.

Dieser Open Space mit der dialogischen Auseinandersetzung mit dem Thema der Spiritualität als Werteraum für Commons führte dazu, dass eine große Gruppe von Commonern der Einladung gefolgt ist, beim Mittagessen eine Ess-Meditation und somit eine Achtsamkeitsübung zu erleben und auszuprobieren.