August 20, 2017, Sunday, 231

Lernnetzwerk

Aus Commons Sommerschule

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Dokumentation 2012

Inhaltsverzeichnis

Vorschlag: Lernnetzwerk für Lebensfülle

Wolfgang Höschele

Hier ein Vorschlag, wie man zur Vernetzung von Commons und ähnlichen Projekten beitragen könnte, mit Fragen, die ich zur Diskussion gestellt habe, und Kommentaren, die in der Open-Space Diskussion aufkamen.

Kommentar (Juli 2013): Dieser Vorschlag ist inzwischen realisiert; siehe Commons Abundance Network, http://commonsabundance.net.

Zweck

Lebensfülle auf zwei Weisen ermöglichen – das heiβt, dazu beitragen, daβ alle Menschen Zugang zu allem haben, was sie für ein erfülltes Leben brauchen, indem erstens das dazu notwendige Wissen auf praktische Weise im Internet bereitgestellt wird, und zweitens es den dazu gewillten Menschen erleichtert wird, sich gegenseitig zu finden und ihre Projekte weiterzuführen. Lebensfülle bedeutet, daβ alle Menschen erfüllt leben können, und eine Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten in Fülle leben können.

Funktionen

Sammlung von Musterbeschreibungen. „Muster“ sind nach Christopher Alexander wiederkehrende Lösungen von Problemen, die zu gröβerer Lebendigkeit und Vitalität beitragen. Mitglieder des Netzwerkes schreiben und überarbeiten und übersetzen diese Musterbeschreibungen, die thematisch gegliedert werden und nach Stichworten gesucht werden können. Die Arbeitsmethode ähnelt der Wikipedia, man muβ allerdings eingeschriebenes Mitglied sein, um beizutragen. Die Beiträge kann jeder mit Zugang zum Internet lesen.

  1. Weiterführende Links und Literaturverweise. Auch die werden von Mitgliedern eingefügt und können von allen gelesen werden; sie folgen auf die Musterbeschreibungen.
  2. Profile von Mitgliedern. Diese sind nur für Mitglieder zugänglich. Durch das Profil kann jedes Mitglied mit jedem anderen Mitglied Kontakt aufnehmen, allerdings ohne zunächst dessen Emailadresse zu kennen, und durch einen Filter, der keine maschinelle Emailversendungen zulässt.
  3. Links von Musterbeschreibungen zu den Profilen von Mitgliedern, die sich in diesem Gebiet auskennen (nur für Mitglieder zugänglich). Jedes Mitglied kann solche Links zum eigenen Profil anlegen. Es muβ möglich sein, diese Links nach geographischen und anderen Suchkriterien zu suchen.
  4. Nachrichten, die von Mitgliedern aufgeladen werden. Diese können thematisch und geographisch geordnet werden, und können auch relevanten Musterbeschreibungen zugeordnet werden. Es wäre zu klären, ob diese allgemein oder nur für Mitglieder zugänglich sein sollten.
  5. Annoncen, z.B. von Konferenzen, Seminaren, Buchprojekten, Filmen usw. Es wäre zu klären, ob diese allgemein oder nur für Mitglieder zugänglich sein sollten.
  6. Arbeitsvermittlung, von bezahlten und unbezahlten Arbeiten. Mitglieder können Mitarbeiter für ihre Projekte suchen, oder selber Arbeitsmöglichkeiten suchen. Auch Mitglieder, die ein neues Projekt starten wollen and dazu Mitstreiter brauchen, können diese Arbeitsvermittlung verwenden. Dies wäre wohl nur für Mitglieder.

Mitglieder

Mitglieder sind Miteigentümer des Netzwerks. Sie können also an wichtigen Entscheidungen teilnehmen; dazu muβ es entsprechende Mechanismen geben. Zu solchen Entscheidungen gehören die Einführung von neuen oder die Änderung von bestehenden Dienstleistungen im Netz, und wie über Einkünfte verfügt werden soll (Budget). Als Miteigentümer des Netzes verpflichten sich Mitglieder auch, zum Erhalt und zur Erweiterung des Informationsangebots beizutragen. Dazu kann z.B. gehören, neue Musterbeschreibungen zu schreiben, und existierende zu redigieren od zu übersetzen. Zur Verpflichtung kann auch gehören, einen Mitgliedsbeitrag zu zahlen (oder stattdessen, mehr Informationen hochzuladen). Falls sie erhoben werden, können Mitgliedsbeiträge auch an die durchschnittlichen Einkommen verschiedener Länder angepasst werden. Mitglieder verplfichten sich ausserdem, bestimmte Regeln zu respektieren (z.B. über den Umgang miteinander, oder darüber, das der Inhalt der Wiki unter Copyleft publiziert wird).

Fragen

Soll es „Freunde“ wie auf Facebook oder „Kontakte“ wie auf LinkedIn geben? Bis zum 2. oder 3. Grad? Wieviel soll allgemein, für alle Mitglieder, oder nur für Kontakte des ersten oder zweiten Grades verfügbar sein? Welche Dienste sollen zu bezahlen sein? Wieviel müssten sie kosten, damit sich das Netzwerk finanziell selber trägt? Darf es Werbung geben? Wieviel, von welcher Art, von wem? Wie soll man Mitglied werden? Wie wird Vertrauen unter den Mitgliedern hergestellt? Soll es eine „Vision“ oder ähnliches geben, mit der sich Mitglieder einverstanden erklären sollen? Welche Regeln über den Umgang miteinander sollte es geben, und wie sollen Regelverstöβe geahndet werden?

Kommentare im Open Space

Das erinnert mich an den TAZ Bewegungsmelder (Initiative die erstmals was ähnliches gemacht hat, ist dann mehr oder weniger eingegangen ist und vom Bewegungsmelder aufgenommen worden ist. Du kannst dir das mal angucken.

Sollte das Netzwerk national oder international sein? (Ich denke auf jeden Fall international.)

Wird es attraktiv genug sein für Facebook oder Linkedin Nutzer? Viele wenden schon sehr viel Zeit dort auf – werden die auch noch zusätzlich Zeit auf dieses Netzwerk aufwenden?

Das Gelingen hängt davon ab, wie die Menschen sich konkret zueinander verhalten – ausserhalb des Internets. Dieses Netzwerk betrifft das nicht. (Soll es auch gar nicht – das ist nicht der Zweck.)

Erscheint sehr ehrgeizig; ich will Dinge vermeiden, die mich noch mehr ins Internet ziehen.

Das Netzwerk muss sich an den Bedürfnissen der Initiative orientieren – leistet das Netzwerk dies? Bei internen Konflikten im Food Coop würde ich nicht ans Internet gehen. (Muster zu Konfliktlösungsmethoden könnten durchaus beschrieben werden – wenn’s ein immer wiederkehrendes Problem ist, könnte ich mir schon vorstellen, daβ so ein Muster nützlich sein könnte.)

Eine Nachrichtenredaktion könnte Neuigkeiten auswählen, vorne dran stellen, und monatlich oder alle 14 Tage aktualisieren, mit Berichten aus verschiedenen Ländern. Die Arbeit könnte von bezahlten Kräften oder auch von Enthusiasten geleistet werden. Das wäre für mich eine interessante Funktion. – eine Mischung von Netzwerk und Online-Magazin.

Wahrscheinlich braucht man Leute die im Aufbau dieses Netzes eine berufliche Zukunft sehen. (Durchaus! Sollte sich selber tragen.)

Man muβ Partner finden bei etablierten Institutionen – Taz, Attac, usw., die hätten Erfahrungen. Die sollten aus verschiedenen Ländern kommen, wie das „Le Monde Diplomatique“ macht.

Die „Freunde“-Funktion – würde ich nicht zu sehr kopieren. Ich würde die Zahl der begrenzen. Wir hatten mal eine Plattform für Alternativwährungen. Da waren Funktionen die niemand nutzte,die eher verwirrend waren (die wurden hereingestellt, falls die Sache rasch zu etwas viel gröβerem wachsen würde). Ich denke, eine Kontaktmöglichekit per email sollte ausreichen als einizge Stufe der Zugangslimitierung ausser der Allgemeinheit aller Nutzer. Verlinkte sollten nicht einsichtig sein. Also man könnte eine Liste der Nutzer haben, mit denen man in Verbundung steht, andere sollten dazu aber keinen Zugang haben. Viele dieser „Freunde“ sind Leute, die jemand bloβ einmal getroffen hat. Facebook erlaubt mir Zugang auf interessante Artikel, die andere mir schicken (posting). Das könnte hier auch nützlich sein.

Wenn die Funktionen sehr komplex sind, erfordert das viel vom Nutzer – weniger wäre also eher besser. Man braucht jemanden, der von Software was versteht aber nicht unbedingt alle seine Tricks einbauen will.

Man solltemögliche Nutzer fragen, was ihre Beduerfnisse wären. (Netürlich! Dies ist der erste Schritt dazu.)

Sollte man ein Forum einbauen? Es könnte sinnvoll sein – da sollten aber keine kleinkarierten Debatten sein. „Der Freitag“ lässt Leser eigene Beiträge schreiben, manche dieser Artikel kommen in die Printversion. Die haben 3 Kategorien – eigene Autoren, von anderen Zeitungen übernommene Artikel, und Leserbeiträge. Die Musterbeschreibungen and das Forum sollten moderiert sein.

Vielleicht sollte as kein posten geben, dafür aber die Möglichkeit zum bloggen geben. Die Möglichkeit sich einfach einen Blog aufzubauen könnte Mitglieder reinholen – Aktivisten die eine passende Plattform suchen.

Zur Anschubsfinanzierung könnte man vielleicht Stiftungen aus den USA fragen. Es gibt auch die Bewegungsstiftung in Deutschland, das Stiftungswesen in USA ist aber wohl ausgeprägter. Die Plattform sollte aber nicht werbefinanziert sein – also höchstens daβ Sponsoren aufgelistet werden.

Mitglieder – natürliche Personen sollten Mitglieder werden können, und dazu vielleicht demokratisch verfasste Organisationen – aber dann wäremein eigener Arbeitgeber nicht dabei.Die Latte sollte nicht zu hoch gehängt sein. Werbung auch von alternativen Sachen finde ich manchmal nerviger als Cola-Werbung. Nach einer Diskussion über die Finanzierung von LinkedIn über Stellenmarkt, Werbung, und Premium-Mitgliedschaften: Ich mag keine Unterscheidung zwischen einfacher und anderen Mitgliedschaften. Vielleicht sollte man Sponsoren gewinnen. Das braucht nicht unbedingt finanziell zu sein – sie können z.B. Speicherplatz zur Verfügung stellen. Man sollte nach weniger kostenintensiven Methoden suchen, mit viel ehrenamtlicher Arbeit, oder Stipendien gewinnen um manche der Mitarbeiter zu bezahlen. Sollte man eine eigene Stiftung gründen? Vielleicht einen freiwillgen Förderverein. Das gibt’s z.B. bei „Taz-zahl ich“ – freiwilliges Bezahlen für Artikel, entweder für einen einzelnen Artikel oder als regelmäβige Zahlung. Der Taz zahl ich Newsletter berichtet monatlich, wieviel ihnen gezahlt wurde. Das ist ein sympathischeres Model – freiwillige Zahlungen statt exklusiver Mitgliedschaften.