May 24, 2017, Wednesday, 143

4. Juli

Aus Commons Sommerschule

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Dokumentation 2013

Inhaltsverzeichnis

Open Space: Auf dem Weg in die Commonie

  • Eine Beschreibung von Open Space findet ihr hier
  • Die Themen und Dokumentation des letzten Open Space findet ihr hier

Grenzen in Commons Teil II

In Commons gibt es verschiedene Ebenen und Arten von Grenzen, die zu beachten sind:

  1. Grenze zwischen dem Privaten/dem Individuum und dem Gemeinschaftlichen/der Gruppe
  2. Grenzen zwischen Commons
  3. Grenzen zwischen Commons und Markt/Staat
  4. [Ergänzung von Silke: Grenzen eines natürlichen Ressourcensystems (vgl. auch Ostroms Designprinzipien: boundary-rules)]

ad 1)
Diese Grenzen zu beachten ist wichtig, um die Bereiche zu definieren, wo die Einhaltung vereinbarter Regeln überwacht wird (= soziale Kontrolle) und wo nicht. Das Monitoring gilt nur für den Commons-Bereich. Eine soziale Kontrolle in den Privatbereich hinein stellt eine Grenzüberschreitung dar. Solche Erfahrungen (etwa aus dem Dorfleben) können dazu führen, dass die Idee der Commons aus Angst vor sozialer Kontrolle in Misskredit kommt.

ad 2)
Anstatt zu versuchen, Commons immer größer zu machen ("upscaling"), sollten wir versuchen, die Grenzen möglichst produktiv zu gestalten.

ad 3)
Während wir die Beziehungen zwischen den abgegrenzten Bereichen in den Fällen 1 und 2 selbst gestalten können und daher auch die Möglichkeit haben, Hierarchien auszuschalten/zu vermeiden, ist das Verhältnis zwischen Markt/Staat und Commons immer hierarchisch. Hier haben wir weniger Einfluss auf die Gestaltung des Grenzbereiches - es kann zu Einhegungen und Kämpfen an den Grenzen kommen.

Privateigentum im Kapitalismus führt zu linienförmigen, klaren Grenzen. Jedes Ding gehört genau einer Person, was Mehrfachnutzungen schwierig (bzw. vom Willen dieser Person abhängig) macht, Ausschluss und Knappheit erzeugt.

Damit Grenzen produktiv sein können, müssen sie teilweise durchlässung und flexibel gestaltbar sein - z.B. können unterschiedliche Menschen oder Gruppen zeitgleich oder zeitversetzt unterschiedliche Nutzungsrechte an einem Commons haben, die durch einen Zaun nicht abgebildet werden können.

z.B. Bauern und Hirten nutzen den gleichen Grund, die Hirten dürfen zur Wasserstelle gehen und sie dürfen im Frühjahr und Herbst den Acker beweiden und dabei wird dieser auch gedüngt. Wird das Land den Bauern als Privateigentum zugesprochen und eingezäunt fällt die Nutzungsmöglichkeit der Hirten weg - und das ist ein Nachteil für beide, weil Synergien verloren gehen und die Nutzung weniger effizient ist.

Solche für verschiedene Gruppen durchlässigen Grenzräume bezogen auf ein und dieselbe Ressource führen zur bestmöglichen Ressourcennutzung. Privateigentum kann meist nicht alles "verwerten", während andere zu wenig haben.

Eine Gesellschaft von der Marktwirtschaft auf eine Commons-Gesellschaft umzubauen, bedeutetnicht einfach, Grenzen beseitigen. Vielmehr geht es darum, das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bereichen (vor allem zwischen öffentlich/commons und privat) neu auszuhandeln (vgl. auch Netzfreiheit vs. Datenschutz im digitalen Bereich.) Bei solchen Grenzverschiebungen, kann man auch übers Ziel hinausschießen, z.B. von "alles Privat" zu "alles Gemeinsam" (Kommunen der 70er und 80er), es braucht Lernen und Experimentieren.

Grenzen können sich durch verschiedene Anlässe verschieben und sind immer Objekt von Verhandlungen.

Grenzen sind immer auch im Kopf.

Spiritualität als Werte-Raum für Commons

Zum Prozess: Wir haben uns in diesem Open-Space freiwillig in dieser Gruppe getroffen, weil uns das oben genannte Thema verbindet und angesprochen hat. Gleich am Anfang machte N. den Vorschlag einen Redestab einzuführen, damit wir unsere Erfahrung teilen und uns gegenseitig zuhören können. Diese Regel, der wir alle zustimmten, ermöglichte den folgenden Gruppendialog, der erst handschriftlich mitgeschrieben und später auf dem Computer zusammengefasst und komprimiert zur Dokumentation festgehalten wurde.


P.: Was liegt an der Basis der Commons für ein Raum, aus dem Werte entstehen können? Die 8 Prinzipien von Elinor Ostrom sind deduktiv aus den von ihr erforschten Beispielen abgeleitet worden, dienen der Analyse vorhandener Commons. Sie als einen Überbau über andere Commonsprojekte draufzusetzen, ergibt noch keinen Wertebereich.
Eine wichtige Unterscheidung besteht hier zwischen einer Sollens- und einer Seins-Ethik. Erstere wird von oben gesetzt, wird postuliert. Die kantsche Ethik mit dem kategorischem Imperativ ist ein Beispiel. Seins-Ethik erwächst aus den Erfahrungen spiritueller Praktiken und schafft ein Bewusstsein der Verbundenheit, in der eine ethische Haltung von innen heraus entstehen kann.
Ein mit Spiritualität verbundener Begriff ist für mich Weisheit. Das lateinische Wort dafür ist "sapientia", das sich von "sapere" ableitet (übersetzt: "schmecken") und damit auf eine sinnliche Erfahrung hinweist. „Von den Sinnen zum Sinn“ würde als Merksatz die Ableitung von Werten aus der Erfahrung beschreiben. Wichtig ist noch die Unterscheidung von Spiritualität und Religionen, die als historisch gewachsene Bewegungen in Machtstrukturen eingebunden sind und Spiritualität und Ideologie.

Ni: Gerade in diesem Zusammenhang ist es wichtig, den Vorwurf der Ideologie-Religion im Blick zu haben. Spiritualität kann in diesem Sinne als kritisches Moment gesehen werden, sich von dem Ideologie-Blick zu lösen. Bewusstsein und Achtsamkeit sind hier zwei wichtige Stichworte. Zur Anschauung könnte das Bild eines Eisberges dienen, welcher nur zu einem kleinen Teil über Wasser zu sehen ist und bei dem sich der größte Teil des Berges unsichtbar unter der Wasseroberfläche liegt.

Ne: Einige Stichwörter, die zu Spiritualität gehören: Erleben/ Emotionalität/ Erfahrung/ Sinn/ Zuneigung/ Liebe, gesehen als Beziehung zur Welt und ein Gefühl von Verbundenheit. Aus dieser Liebe kann eine Ethik des Wohlwollens entspringen und sich im Handeln ausdrücken. Wichtig dafür ist eine Rückbindung ausgedrückt in der Frage: Wo befinde ich mich gerade?

S: Ich möchte von einer Klostererfahrung berichten, wo ich eine ganz besondere Form von Gemeinschaft und Spiritualität erfahren habe. Das European Institute of Applied Budhism (EIAB) in Waldbröl. Der Tagesablauf, den ich dort erlebt habe, ist sehr strukturiert. Man meditiert zusammen, isst zusammen und begreift das gemeinsame Leben als Meditation (Geh-Meditation, Koch- und Ess-Meditation, Putz-Meditation,etc.). Durch diesen klar vorgegebenen Rahmen wird eine erstaunlich kreative Energie freigesetzt, die mich teilweise in einen Zustand der kindlichen Freude versetzt hat. Durch die Achtsamkeit konnte somit ein Schutzraum wachsen, indem Platz für „Glücklichsein“ war.

Ns: In meinem Architekturstudium gab es sogenannte Zeichensäle. Diese waren nicht strukturiert und die Werte der hier eng Zusammenarbeitenden sind in diesem Raum und in der Gruppe entstanden: aus dem Kontakt vor Ort im Zeichensaal, der Freundschaft untereinander und dem gemeinsamen Wunsch, miteinander gut aus zukommen und zu arbeiten. Somit sind die Werte aus dem Unsichtbaren gewachsen.
Dies wirft für mich die Frage auf: Hat man als Einzelner Werte oder entstehen Werte eigentlich immer nur im Zusammenhang mit anderen Menschen?

Ni: Für mich eröffnet sich damit die Frage, ob Spiritualität als ein Weg zum Glück gesehen werden kann? Was macht Spiritualität? Sie öffnet zum einen einen Werteraum und sie kann eine Verbindung schaffen mit der Natur und mit anderen Menschen. Für mich ist Glück auch nichts Individuelles, denn Glück kann nur sein, wenn wir alle glücklich sind.
Zusammenfassend kann man also sagen, dass Spiritualität einen Raum schaffen kann, in dem sich Werte entwickeln und der die Augen dafür öffnet, diesen gemeinsamen Raum auch als gestaltbaren Raum wahrzunehmen.

P: Für mich stellt sich die Frage, ob eine Gemeinschaft nur zu erreichen ist, wenn ich mich verbal miteinander verbinde? Oder öffnet nicht die Erfahrung innerhalb einer Klostergemeinschaft, wie Sarah es erzählt hat, auch einen Raum nonverbal erfahrbarer Gemeinschaft und Verbundenheit?
Philosophie ist laut Heraklit ein Weg des Hörens, des Hörens auf den allen gemeinsamen Logos, der als Sinnstruktur bereits vorhanden ist. Heraklit sagt ebenfalls, dass man niemals in den gleichen Fluss steigen kann, denn alles fließt und verändert sich im Leben. Durch Offenheit und der Möglichkeit zuzuhören, sowohl anderen Menschen als auch der Natur, kann man gemeinsam zu dem Ursprungsraum kommen, der allen gehört und dem wir wiederum angehören. Dieser Logos wird dann im Christentum auch als weltschaffendes Prinzip gesehen. Wenn wir diesen ursprünglichen Raum aufsuchen, wird eine Struktur angeboten, die unsere Wirklichkeit in eine Form bringen kann, in der Glücklichsein auftritt.

Ni: Das habe ich jetzt noch nicht ganz verstanden.

P: Ich habe Religionswissenschaften studiert und habe dort gelernt, dass Weltreligionen sich mit der Antwort auf eine Unheilssituation beschäftigen. Ein erweitertes Verständnis von Religion ermöglicht uns, die damit verbundenen Phänomene auch auf andere Bereiche als Erklärungsmodelle zu übertragen. Philosophie z. B. bedeutet ja die Liebe zur Weisheit und ist in Griechenland in der Achsenzeit aus der Religion hervorgegangen.
Philosophisch gesprochen kann man die Ego-Zentriertheit und Vereinzelung des Menschen durchaus auch als Einhegung, also Abspaltung und Privatisierung vom Ganzen eines umfassender verstandenen Bildes vom Menschen sehen. Eine solche Ego-Einhegung lässt ein Gefühl der Entfremdung entstehen. Gelingt es mir, eine solche Ego-Einhegung zu erkennen und zu überwinden, so kann ich in eine andere Beziehungsqualität kommen, in der der andere nicht mehr als „Mittel zum Zweck“ gesehen und benutzt werden kann. Es kann eine Begegnung auf Augenhöhe stattfinden. Nicht nur mit anderen Menschen, sondern auch mit Tieren und der Natur.

S: In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit Georg Simmel's „Philosophie des Geldes“ beschäftigt. In einem Part beschreibt er die „Kultur der Personen“ und sagt, dass sich Menschen nur kultivieren können durch die individuelle Abarbeitung an einem Gegenstand. Bei der Formung der Dinge, formt sich der Mensch selbst. Dieser Prozess ist nicht nur mit materiellen Gegenständen möglich, sondern auch im Denken. Geld allerdings, bietet keinen Widerstand, keine Grenze. Somit entsteht eine Freiheit, die ins Leere läuft und keine Freiheit, die sich potenziert und somit eine neue Ebene erreicht.
Ein anderes Buch, mit dem ich mich beschäftigt habe war „Auf leisen Sohlen ins Gehirn – politische Sprache und ihre heimliche Macht“ von G. Lakoff. Dort wird von den Bildern der „strengen-Vater-Politik“ und der „antiautoritären-Eltern-Politik“ gesprochen. Zwei negative Übertreibungen, die das Gleichgewicht des Bildes der "Grenzen-setzenden-Eltern", die in Liebe und Vertrauen ihre Kinder erziehen wollen, aus dem Blickfeld schaffen.
Freiheit kann nicht im luftleeren Raum stattfinden, Grenzen bringen Klarheit und Struktur.

Ns: Commons ist für mich und seit dem Vortrag gestern, von Silke Helfrich zu dem „Copyfarleft Prinzip“, nicht mehr der leere Raum, sondern wird durch dieses Prinzip mehr und mehr sichtbar. Jetzt kann ich die Commons sehen und ich sehe, dass diese gelben Punkte sich vernetzen, wachsen und sichtbarer werden. Dadurch kann ich mich auch zugehörig fühlen. Commons ist für mich jetzt kein blinder Fleck mehr, weil die Leere sich in der Sichtbarkeit als Nicht-Leere offenbart hat.
Wichtig zu unterscheiden ist sicherlich auch, dass wir bei den Regeln und Strukturen von den Commons noch ganz am Anfang stehen, gerade weil sie lange gar nicht als ein Bereich gesehen wurden. Im Gegensatz dazu hat der Buddhismus eine jahrhundertelange Tradition, somit fällt es leicht, sich auf diese vorgegebenen Strukturen einfach mal für eine Woche einzulassen, denn das Vertrauen ist schon vorher gegeben. In den Commons muss sich das Vertrauen erst noch aufbauen.

P: Die "Definition" eines Begriffes im Raum des Wissens ist schon von der Bedeutung des Wortes her eine Abgrenzung zu je anderen Begriffen. Was genau definiert denn unsere Wirklichkeit? Wer definiert die Wirklichkeit? Hat nicht der, der die Definitionshoheit hat, auch die Macht über das zu bestimmen, was wir sehen und empfinden?! Der aus dem technischen Bereich abgeleitete Netzwerkgedanke ist meiner Erachtens für menschliche Beziehungen zu abstrakt. Zur Zeit bestimmt vor allem die (Natur-)Wissenschaft, was gesehen wird und was nicht. Wissenschaft ist aber immer nur eine Landkarte der Wirklichkeit, und wir verwechseln ständig die Landkarten mit der Landschaft, in der wir uns bewegen. Wir verwechseln ebenso unsere psychische Einhegung, "Ego" genannt, mit der größeren Seelenlandschaft unseres Selbstes.
Freiheit oder Befreiung liegt in der Ablösung unserer Fixiertheit auf Begriffe. Wir erkennen unsere Muster und finden darunter das Feld einer kreativen Offenheit. Emanzipation ereignet sich, wenn die verfälschende Sprache derjenigen durchschaut wird, die ihre Macht sichern wollen.
Im intensiven Kontakt zur Natur kann ich mich aus den im kulturellen Raum vorherrschenden Mustern befreien. Die moderne "Zivilisation" bietet mit ihrer städtischen Kultur eine ständige Überlagerung von Erfahrungsräumen, die in ihrer Interferenz Verwirrung hervorruft. Kultur ist die Natur des Menschen, aber ohne Rückbesinnung auf deren Ursprung in der großartigen Natur der Erde selbst, hat sie ihre Einordnung in einen größeren Raum verloren. Völlig losgelöst kann ich meine Werte nur noch "phantasieren".
Bewusstseinsveränderung kann eintreten, wenn die Unterscheidung von Landkarte und Landschaft klar ist. Hier an der Commons - Sommerschule kommen sehr viele Denk-Landkarten zusammen, die sich im Gespräch langsam übereinander legen und so eine Schnittmenge zu bilden versuchen.
Mein Wunsch wäre, wieder mehr auf die Landschaft, den eigenen Körper und die Natur, zu hören; das ist das, was ich mit erfahrungsbasiertem Wissen und Werten meine.

Ni: Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Commons noch nicht erkannt sind und die Gemeinschaft erst geschaffen werden muss. Denn „Commons werden gemacht“, das schöpferische Moment liegt bei uns. Denn wir schaffen die ganze Zeit die Welt, ohne uns dessen bewusst zu sein. Dies ist ja auch die marxistische Idee der schaffenden Arbeiterklasse, die sich ihrer Macht und schöpferischen Tätigkeit gar nicht bewusst ist.
Um sich aber über dieses bewusst zu werden, braucht es die Reflexion durch Philosophie und Spiritualität. Denn die Gesellschaft wird durch Begegnung geschaffen und nicht durch einen externen Plan oder eine externe Vorgabe.

Ns: Für mich stellt sich die Frage, wieviele Gruppen und Commons-Menschen es eigentlich gibt? Durch die Grenzen und Nutzerrechte bilden sich innerhalb einer Gruppe Werte und dieses sind andere Werte als als die, die nach außen gelten. Wie können sich dann die Gruppen untereinander über ihre Werte austauschen?
Ich glaube auch, dass es nicht „die Commons“ gibt, sondern dass es so viele Commons gibt, wie es Menschen gibt.

S: Für mich gibt es so viele verschiedene Welten, wie es Menschen gibt. Unsere Lebenserfahrung unterscheidet sich grundlegend. Deswegen spielt das Vertrauen in den anderen eine so große Rolle und das Wissen darum, dass die Erfahrung des anderen genauso viel Wert ist, wie meine eigene Erfahrung. Für dieses Vertrauen braucht es den Raum und die Zeit für Austausch.
Ein Philosophie Professor an meiner Uni brachte einmal das Beispiel von zwei Personen, die sich ein Ikonenbild in der Kirche anschauen. Beide erfahren und sagen, dass sie von den Augen des Bildes angeschaut werden. Beide Personen haben Recht. Ein Austausch der Plätze, hin zum Standpunkt des anderen zeigt, dass dieser tatsächlich auch Recht hat. Nun können auch noch andere Bewegungen passieren. Man kann z. B. in die gemeinsame Mitte gehen und sehen, was passiert, oder man spricht mit dem anderen, fragt ihn nach seiner Erfahrung und dem, was er von seinem Standpunkt aus sieht und vertraut auf diese Aussagen.
Somit wird Gemeinschaft durch die Begegnung geschaffen und durch das Zuhören. Wir haben uns hier getroffen, weil uns der gemeinsame Inhalt verbindet und wir nun von unseren Standpunkten auf dieses Thema schauen. Wir haben alle den Platz unsere eigene Erfahrung in diesem Dialog auszudrücken und kommen so zu einem größerem Ganzen. Dies erfordert Vertrauen in uns und auch Geduld, den andern anzuhören.

P: Ich möchte noch mal auf unser Fest gestern Abend zu sprechen kommen. Dort bist du Ni als Hexe aufgetreten. Das Wort Hexe leitet sich von "hagazussa" ab, „die auf den Zäunen/Hecken Sitzende“. Sie gehört zu denen, die „on the edge“ leben, in dem Übergangsbereich der normalen Welt und der Tiefenwelt, die sie sich durch spirituelle Praktiken erschlossen hat.
Ich möchte zu einer anerkennenden Sicht von Hexen kommen, weg von einem aus- und abgrenzenden Begriff wie er für die Hexen z. B. durch das Christentum praktiziert wurde. Denn dies ist ebenfalls eine Art von Einhegung.
Eine spirituelle Praxis schafft einen anderen Zugang zur Wirklichkeit, also eine anderen Erfahrung von Landschaft. Diese wurde bei Hexen beispielsweise auch durch Drogen angeregt und entsprach nicht der Landkarte des Christentums.
Der Glaube daran, die Spitze der Schöpfung zu sein, führt zur Unterdrückung von anderen Lebewesen. Diese Haltung unterdrückt Pluralität und Vielfalt. Es werden dann Fragen gestellt: Wie kann ich andere aus meinem selbstdefinierten privaten Bereich draußen halten, wie kann ich meine Macht behalten?
Ich stelle mir die Frage, ob eine solche Gefahr auch im Bereich der Commons existiert? Gibt es hier eventuell eine Strömung, die andere unbewußt unterdrückt oder durch ihr Vorverständnis von Vorherein ausgrenzt?

Ni: Ich habe drei Punkte, auf die ich gerne noch eingehen möchte:
1. Bewusstseinsbildung und -schaffung durch Machthaber kann als Manipulation verstanden werden. Hierzu gehören Werbung oder auch Ideologie-Religion. Ein Stichwort wäre hier auch die Bewusstseinsindustrie (von Adorno und Horkheimer). Ich denke, dass ein kritisches Bewusstsein eine Voraussetzung ist gegen Ideologie und Unterdrückung. Denn die Kapitalismusideologie hegt das Denken ein z.B. durch ein entsprechendes Männerbild oder die Hipster-Bewegung.

2. Eine Frage: wie gleich müssen wir sein, um Commons zu machen? Wir finden uns als unterschiedliche Individuen mit unseren Erfahrungen im Raum der Commons zusammen. Und es gibt viele Wege zum Glück.

3. Gibt es auch in den Commons U-Boote? Das kann immer passieren, das sind die, die einhegen wollen. Und dann kann man ja ganz genau fragen: Warum willst du die Einhegung?

Nun sind zwei Hummeln I. und K. dazu gekommen und steigen in unser Gespräch mit ein.

K: Ich möchte die Idee des „art of hosting“ vorstellen, welche sich mit der Frage beschäftigt, warum bin ich hier? Warum will ich hier an diesem Tisch arbeiten? Der eigene Zweck ist dann der Grund des Zusammenschlusses. Man kommt auch mit dem Gedanken in die Gruppe, dass der Weg das Ziel ist und Ungereimtheiten werden als produktiv angesehen. Das gemeinsame Verständnis muss sich erst herausbilden, als Wechselspiel wie bei einem Tanz.

P: Wenn ich es richtig verstehe, geht es also um die „Kunst des Gastgebens“ und ein Thema, was die Gruppenmitglieder verbindet. Wie entsteht dann ein Verständnis von dem Thema? Reicht da eine Überschrift?

S: Ich glaube nicht, dass eine Überschrift reicht, da der inhaltliche Anstoß schließlich von Seiten des Einladenden, des Gastgebers kommt. Dieser hat ja schon einen Impuls, der ihn zu der Einladung veranlasst. Somit sollte dieser Impuls auch am Anfang eines Dialoges stehen und die Richtung vorgeben, in die es gehen kann.

P: Ich kann sagen, dass ich die Begriffe „Kunst und Gastgeben“ sehr interessant finde. Denn eine Kunst ist keine Technik. Ein Künstler nutzt bestimmte Mittel und Werkzeuge, um etwas sichtbar zu machen, was vorher auch von ihm nicht gesehen werden konnte. Dies ist ein kreativer Prozess mit einem Bezug zum Unbewussten. Das Unterbewusstsein ist nicht vom Bewusstsein eingehegt.
Technik dagegen geht von einem Zweck und Endziel aus, bei dem schon vorher alles sichtbar sein soll. Der Begriff des Gastgebers ist bis heute in alten Traditionen mit einer spirituellen Haltung verknüpft. Der Gastgeber ist nicht der Organisator einer Party, sondern er hat eine innere Haltung, die den fremden Pilger, das Unvertraute ins eigene Leben integriert. Durch Rituale des gemeinsamen Umgangs findet sich eine Form, in der das Fremde assimiliert werden und zur Integration führen kann.

I: Im Art of Hosting geht es auch um die Wertschätzung des Drumherum. Es geht darum, sich wohl zu fühlen und ein gemeinsames Verständnis von Erlebtem und Ritualen.

Ni: Spiritualität macht also sehend. Wir beginnen Natur und uns selbst und andere zu erkennen. Spiritualität kann gedankliche und äußere Räume schaffen, in denen Fremde einbezogen werden und wie von einem wohlwollendem Gastgeber begrüßt werden.
In unserem Leihladen ist die Spiritualität, verstanden als eine Erwartung, dass es gut wird, oder als Hoffnung, dass es etwas gutes ist, oder Vertrauen, dass es etwas gutes wird, vorhanden. Unser Herz ist da genau so offen wie unsere Tür. Es gibt auch noch einen Satz der mir einfällt: „Wer nicht zuhören kann, der kann auch nicht reden“.

K: Die gemeinsame Regel, die ihr hattet, war für uns Hunmeln ziemlich gut, um uns bei euch einzuklinken. Vielen Dank, dass ihr so offen wart, uns und unseren Beitrag einzubeziehen und eine Verbindung zu unserem Mitgebrachten zu sehen.

S: Ich empfand unseren Dialog auch als etwas sehr stimmiges und authentisches. Wir haben über die Spiritualität als Werteraum gesprochen und dadurch einen Raum erschaffen, in dem wir sehr wertvoll miteinander umgegangen sind. Für mich sind diese ganzen Begegnungen hier auf der Commons - Sommerschule wie kleine Übungsfelder, das auch wirklich zu leben, von dem wir sprechen. Wenn das gelingt, dann empfinde ich solche Räume als sehr kraftspendend und gar nicht anstrengend.

P: Herzlichen Dank für die Zusammenarbeit und den schöpferischen Dialog.

Dieser Open Space mit der dialogischen Auseinandersetzung mit dem Thema der Spiritualität als Werteraum für Commons führte dazu, dass eine große Gruppe von Commonern der Einladung gefolgt ist, beim Mittagessen eine Ess-Meditation und somit eine Achtsamkeitsübung zu erleben und auszuprobieren.

Werte und Prinzipien

Ausgangspunkte der Diskussion

  • Erfahrung von B., dass Commons sehr anschlussfähig sind, deshalb von Gruppen übernommen werden können → wie lässt sich der „Geist“ behalten/schützen?


  • Sind Werte in die Theorie eingebaut? So wie die normativ-geladene Praxis in der Frankfurter Schule?
  • Wertediskurs auf Ebene des Commonings ODER normativ-geladene Commons-Theorie?
  • Commons als Große Erzählung; „Das Leben in Zeiten der Commons“

Welche Werte des Commonings sind für eine gute soziale Praxis notwendig

Fairness:

  • Keiner kommt unter die Räder
  • Empfundene Fairness (statt Gleichheit) – Mein Beitrag und Nutzen ist im fairen Verhältnis (nach meinen Möglichkeiten)


Nicht-Diskriminierung

  • Beispiel: in der Wikipedia findet das Commoning unter Männern statt, Frauen werden diskriminiert; es ist auch schwer Grenzen der Wikipedia zu definieren.
  • Keine Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Wertschätzung/Anerkennung/Akzeptanz für Prosument_Innen


Nicht-Leitbild: Linke Gruppen, die sich vor allem abgrenzen von bestimmten negativen Verhaltensweisen

  • Gesucht sind grundsätzliche positive Leitbilder
  • Commons als große Erzählung (im Vergleich zur Bioökonomie oder den Naturwissenschaften)
  • Leitgeschichten des Commonings



Aufbauend auf den Kategorien in der Tabelle in Webers Beitrag im Jenseits von Markt und Staat – Buch diskutierten wir die dahinter stehenden Werte und Prinzipien:

Vielfalt

  • auch Bestandteil des Commons-Diskurs im allgemeinen, den er hat Interesse an intern vielfältigen Strategien und Akteuren des Wandels
  • Formulierung von D.: „Die Nutzer_Innengruppe konstituiert sich so, dass die Vielfalt an Menschen, Kulturen, Fähigkeiten, Beiträgen, Einstellungen, Interessen (Stärken/Schwächen)...akzeptieren, anerkennen oder wertschätzen und nicht aufgrund der Unterschiedlichkeit ausgeschlossen sind.“

Freiheit in Bezogenheit

  • Freiheit als Gruppengegebenes
  • 8 Prinzipien bieten gute Grundlage dieser Aushandlung

Integration

  • Integration in ein Netzwerk der Vielfalt (andere als Knoten hinzufügen, nicht andere Menge in eigene Menge integrieren)
  • Vielfalt akzeptieren, anerkennen, wertschätzen
  • prinzipielle Offenheit

Subjekt der Gemeinschaft

  • statt passiver Abhängigkeit (Konsument)
  • statt kämpferischen Individuen (Überlebenskämpfer)
  • Verantwortung für sich und für die Gemeinschaft

Lokal und global (holistisch)

  • Spirituell: alles hängt mit allem zusammen
  • Wissenschaftlich: Disziplinen sind nicht trennbar, Lösungen nicht durch Vereinzelung / Sektoralisierung suchen
  • Ko-Evolution – wechselseitige Beeinflussung
  • Normativ gewendet: Individuen und Gruppen wissen um sich und um ihre Beeinflussung des Großen, sowie um ihre Beinflussbarkeit durch das Große

Gelingen = Kompromiss

  • Vielleicht eher: Suche nach anderen Lösungen, die besserstellt
  • Hegel: das übergeordnete Allgemeine
  • Nicht-paretooptimalität, sondern Bedürfnisabgleich und eigendefiniertes Besserstellen

Open source

  • Sieger: wer am tiefsten mit der Gemeinschaft verwoben ist
  • Besser: höheres Wohlergehen durch tiefere Vernetzung

Vielfalt der Ausdrucksformen Selbstausdruck als Kultur (statt Monopol oder Dominanz)

  • Vielleicht besser: Gruppenziel ist die Ermöglichung der Selbstausdrucksfähigkeit aller

Prekäre Gemeinschaft der Individuen

  • als Nichtbeziehung
  • vielleicht besser: variable und flexible Gemeinschaften, oder „in einem Prozess veränderbare Gemeinschaften“



Werte, die sich aus der Diskussion dieser Punkte ergaben

  • Vielfalt / Vielseitigkeit – Unterschiedlichkeit zulassen
  • Entfaltungsmöglichkeiten / Emanzipationsmöglichkeiten/-potenzial
  • Einschließen/Mitnehmen/Hinzufügen
  • Verantwortung, Selbstbestimmung, Selbstverantwortung der Gruppe (sind für sie Emanzipation)
  • Verhandelbarkeit, Prozess-Denken
  • Empathie haben, Bedürfnisse spüren können
  • Prinzipielle Offenheit (Vielfalt als Resultat von Offenheit)
  • Glücklich sein nur, wenn andere glücklich sind
  • Möglichkeit, Vertrauen zu können (Wertehaltungen gibt es so viele, wie es Menschen gibt)
  • Freiheit in Bezogenheit (Schwerpunkt auf Bezogenheit)



Diskussion: Sind Werte die richtige Kategorie

S.:

  • Wertedebatte vs. Muster aus denen Commons emergieren (Prinzipien, nach denen Systeme gestaltet werden können)
  • Zum Beispiel:
    • Ubuntu-Prinzip (Ich kann nicht sein, wenn du nicht bist)
    • Permissivität (prinzipielle Offenheit)
    • Wertschätzung
  • Vielleicht sorgen die Prinzipien erst im zweiten Schritte für (normativ gute) Werte
    • → Praxis des Commonings kreieren Werte
  • Es muss ein gemeinsames Interesse geben (Orga eines Prozesses, auf allgemeinster Ebene, das Erreichen eines guten Lebens)


Definition von „Werten“ (Wikipedia): Erstrebenswerte / In sich wertvolle Eigenschaften oder Ideen. Können durch einzelne, soziale Akteure oder Gesellschaft definiert werden. Sollen objektiv oder subjektiv sein.
Offene Frage: Wie ist eigentlich der Zusammenhang zwischen Prinzipien und Werten?
These: Vielleicht sorgen die Prinzipien erst im zweiten Schritte für (normativ gute) Werte. Sie entwickeln sich es erst mit der Zeit.

  • Beispiel: Es folgt nicht zwingend Nachhaltigkeit aus den Commons-Regeln. Aber die Prinzipien/Muster können Nachhaltigkeit im zweiten Schritt ermöglichen.

These2: Prinzipien sind weniger biegsam/korrumpierbar als Werte.

  • Deshalb sollten wir eher nach Prinzipien/Mustern suchen und sie verbreiten, als die Werte-Debatte zu führen


K.:

  • auch Kant arbeitete mit Prinzipien und nicht mit Werten; These: Erst Nietzsche hat Werte in die Philosophie gebracht.
    • Normen sind eher moralisch
    • Werte sind „geschmeidiger“
  • Zuvor gab es (Antike) moralische Güter (Rechtschaffenheit, Glück) → kann man das Haltung nennen?
  • Unterschied: Wert(e) ist/sind messbar, Güter sind Tugenden (z.B. Freigebigkeit, Besonnenheit, Tüchtigkeit)
  • Paradox von Berners-Lee: wie kommt es, dass er nicht so sein will wie Bill Gates → Haltung? Intuitives Gefühl
  • Feyerabend: Gefühl/Intuition und Verstand sind bloß verschiedene Zugänge zu Informationen; sie liegen auf einem Kontinuum und unterscheiden sich nur in ihrem Grad der Gesichertheit der Zugänge zu den Informationen


  • In der Wertedebatte kommt man schnell in die Situation des Werterelativismus
  • Aristoteles hätte argumentiert, wohlverstandenes gutes Leben ist erstrebenswert


  • Prinzipien sind strukturell so gefasst, dass sie übersetzt werden können in Algorithmen; Bei Werten hingegen kann man das nicht
  • Können uns Prinzipien helfen, Commoning-Prozesse so zu gestalten, dass sie ein gutes Leben für alle ermöglichen?
  • Offene Frage aus dem Einwand K.: Was bringt jemanden dazu, Prinzipien anzuerkennen (die Eigenschaft, dass sie hinterfragt werden können (und müssen) teilen Prinzipien mit Werten) → was helfen uns also Prinzipien, wenn sie sich darin nicht von Werten unterscheiden?


K.: Anerkennung folgt es erst aus der Anerkennung des kategorischen Imperativs

Diskussion Verteilungsgerechtigkeit:

  • kann ausgelegt werden, ist also ein Wert (bspw. Neoliberalismus legt es als Äquivalententausch aus)
  • wer stellt sie her (über Markt/Staat hinaus gedacht)
    • über Stigmergie (ist aber nur im machtfreien Raum) → da bräuchte es keine Verteilungsgerechtigkeit
    • große Ressourcen anzuhäufen, ist Einhegung; daher bleibt unter heutigen Bedingungen (Banken im Umgang mit Griechenland) sinnvoll von Verteilungsgerechtigkeit


Wofür brauchen wir den Begriff?

  • B.: These: Werte sind aus Prinzipien erzeugte Maßstäbe, nach denen wir messen / beurteilen können, ob wir ein gutes Leben haben.


  • K.: „Gleichheit ist Glück“ These (Prickett-Buch)– gleichere Gesellschaften haben ein empirisch in vielen Kategorien ein besseres Leben
  • S.: es geht nicht nur um Einkommensgleichheit, sondern um mehrdimensionale Faktoren
    • Bourdieu: regionale Unterschiede sind wichtiger als überregionale (ich schau auf meinen Nachbarn, nicht auf die Reichen in Stuttgart)
  • N.: Das Verhältnis zu den begrenzten Ressourcen ist „Freiheit in Bezogenheit“, zu den erneuerbaren Ressourcen ist Fülle (= für jeden genug, Suffizienz)
  • für Bauwens: Die Eigenschaft „rival“ bedingt Begrenzung, „nicht-rival“ bedingt Offenheit
  • Fairness statt Verteilungsgerechtigkeit?:
    • ich bin fair zu dir und glaube, dass du fair bist zu mir (Fairness in Bezogenheit)
    • der engl. Begriff Fair ist nach Rawls näher an unserem (dt.) Verständnis von Gerechtigkeit
    • Problem ist nicht normaler Reichtum, sondern Superreiche, dessen Vermögen ganze Länder kaufen können
  • Prädistribution, oder Prozesssouveränität ist dem vorgeschaltet
Kleiner Text aus aktuellem Anlass in diesem Zusammenhang: Prinzipiensache


Art of Hosting

Art of Hosting: keine Methode, sondern eine gemeinsame innere Haltung


Art of Hosting ist keine "Methode", sondern eine Art Betriebssystem, ein „Linux für Veränderungsprozesse“. Arbeitet mit verschiedenen Methoden, die ständig weiterentwickelt werden, für kleinere Gruppen und für Großgruppen. Es ist kein geschützter Name und besteht aus einem selbstorganisiertem Netzwerk. Man kann sich in eine E-Mail Liste eintragen um sich gegenseitig zu unterstützen und auszutauschen.
Kernmethoden sind auf Werte basiert und können als Werkzeuge genutzt werden. Bild: Methoden sind der Pinsel,... um ein Kunstwerk zu schaffen, deshalb ART of Hosting.

Es wird mit Fragen gearbeitet, um ohne konkretes Ziel in den Prozess hineinzugehen.

4 Dimensionen der Praxis

  • mir selbst ein guter Gastgeber sein, ich muss mich zuerst selbstorganisieren ehe ich anderen Räume schaffe - "host yourself"
  • Gespräche üben, mit Hingabe, ohne Wertung, zuhören. Dies ist eine Fähigkeit, die ich ein Leben lang üben muss. Um ein Practitioner zu sein muss ich auch praktizieren - "be hosted"
  • Einladung zu Gesprächen
  • Co-Creation, basiert auf kollektiver Intelligenz, gemeinsames Potenzial nutzbar machen und in einer Gemeinschaft gemeinsam kreativ sein. Man muss die Gruppe so zusammen bringen, dass die Lösungen aus der Gruppe, ohne Externen, Experten einzubringen, entstehen. RICHTIGE Menschen zusammenbringen, Menschen, denen das Thema besonders am Herzen liegt.

Chaordischer Pfad: Wie kommt das Neue in die Welt?

  • Ordnung im Extremen : Kontrolle & unterdrückende Kontrolle
  • Chaos im Extremen: Destruktion
  • Richtige Balance zwischen Chaos und Ordnung ist notwendig damit Neues entstehen kann, PRODUKTIVITAET UND KREATIVITAET DER GRENZEN
  • Gegenwärtig bewegen wir uns zwischen Ordnung und Kontrolle
  • Neues entsteht zwischen Ordnung und Chaos --> Emergenz
  • Es braucht eine starke äußere Struktur, um das Chaos aushalten zu können, ein Purpose/Sinn, der Purpose übernimmt die Führung

Atemzüge der Prozess Architektur

  • Vorbereitung. Nach welchen Prinzipien arbeiten wir, was ist unsere Frage.? Danach erst die Einladung schreiben und verschicken.
  • Divergenz (Recherche, große Menge an Informationen) und Konvergenz (Punkte aus der Recherche zusammenbringen), Vielfalt einladen
  • Knirschzone nicht vermeiden, wichtig diesen Punkt auszuhalten, es ist gut, dass dieser Punkt aufkommt. EHRE DIE KNIRSCHZONE
  • Bei Projektmanagement: Ziel steht schon fest aber hier handelt es sich um Prozess
  • ATEMZÜGE: aufmachen (einatmen) und umsetzen (ausatmen)

Die Kunst des Erntens

  • Art of Hosting-Art of Harvesting
  • Ein Bild/Mosaik erstellen als Ernte
  • Mind-mapping

Methoden

  • pro Action Café
  • Dynamic Facilitation
  • Wertschätzende Befragung
  • World Café
  • Open Space

Sonstiges & Fragen

  • „Sensibles Chaos der Kunst“
  • Wie fängt man einen kreativen Prozess an ohne die Menschen einzuschüchtern? Die Glaubwürdigkeit des Prozesses ist elementar: Wenn man in eine Gemeinschaft kommt, spüren die Leute ob man ein festgesetztes Ziel verfolgt, ohne Partizipation der Gemeinschaft oder ob man auf ehrliche Partizipation aus ist.
  • Strukturen werden lebendig wenn von außen etwas Neues kommt
  • Von den Bürgern aus braucht es eine Motivation um ein Projekt erfolgreich zu machen
  • Rolle des Prozessbegleiters: Wie kann man im Prozess sehen, dass es einen Prozessbegleiter braucht um die Energie wieder zu entfachen? Prozessbegleiter in der Action Research: qualitative Sozialforschung (keine Objektivität), man muss sich ganz implizit in den Prozess miteinbringen und im Nachhinein objektiv behandeln. Facipulation (facilitation & manipulation): man muss aufpassen, dass man sich nicht zu einem Bottleneck und sich entbehrlich macht. Manchmal reicht es wenn ein Prozessbegleiter nur anwesend ist.
  • Initiator und Mitwirkende: Würdigung ist wichtig: ihr seid genauso wichtig wie der Initiator. Dieser sollte sich das Auskommen nicht alleine auf die Fahne schreiben. Über meine Idee ist es entstanden. Benötigt es einen Initiator wenn man einen Purpose und gemeinsame Motivation hat?
  • Individualismus war wichtig in der europäischen Entwicklung, das Individuum ist wichtig in der Gemeinschaftsform. Aus der individuellen Erfahrung heraus, kommt das Bedürfnis sich in die Gemeinschaft einzufügen und die Erfahrung zu teilen.


Welche Voraussetzungen braucht Art of Hosting? „Betriebssysteme“ (Organisatoren, örtliche Strukturen,...) müssen sich zusammenfügen

Anlaufstellen:

  • Interchange Dänemark (Monica Nissen und Toke Möller)
  • Büro für Zukunftsfragen: Handbuch für Art of Hosting
  • Ning Netzwerk
  • Montagsstiftung: fördert künstlerische Prozesse für vier Jahre und erlaubt so den zeitlichen Rahmen für die Entwicklung
  • Handbuch auf Deutsch] (PDF)



Die Liebe in den Zeiten der Commons

Kann man liebe als Commons denken? Was hat das mit Polyamorie zu tun, mit dem Leben von Paaren in Gemeinschaften, wie geht das zusammen mit dem Aufziehen von Kindern? Welche Arten von Beziehungen wünschen wir uns? Welche sind lebesförderlich und welche nicht? Mit einem Text zu ["Erotischer Ökologie"] von Andreas Weber sind wir ins Thema eingestiegen und haben über sehr persönliche Themen gesprochen, die an dieser Stelle nicht geteilt werden sollen. Wenn ihr mehr erfahren möchtet wendet euch bitte an Eva Ressel.


Wachstumskritik und Commons

Open Space & Diskussionen auf der Commons Sommerschule 2013 in Bechstedt



Zusammenhänge zwischen Commons- und wachstumskritischer Debatte:
Welche Gemeinsamkeiten bestehen? Wie passen beide Diskurse ineinander? Was sind Streitpunkte oder blinde Flecken?

Kategorie Gemeinsamkeiten / Ineinandergreifen der Diskurse Unterschiede / Leerstellen / „Contested fields“ der Diskurse
Grundverständnis des Verhältnisses zueinander Wachstumskritik für die ökologischen Grenzen, Commoning für das Leben innerhalb dieser ökologischen Grenzen.

Stärken:
Wachstumskritik kann Rahmenbedingungen benennen, also bspw. errechnen wie nachhaltig Lebensstile sind; sowie durch den Blick auf Rebound-Effekte negative Folgen bestimmter Wirtschaftsweisen aufzeigen.

Commoning kann diesen Rahmen mit Leben füllen und Geschichten erzählen. Es ist praxisorientiert, sinnlich erfahrbar (und damit für viele Menschen intuitiv verständlich) und sinnstiftend.
Leerstellen:
Wachstumskritik kann keine kohärente, aus eigener Logik entstehende Geschichte über ein Leben in einer Postwachstumsgesellschaft erzählen. Es analysiert immer nur die Vergangenheit oder die Gegenwart. (Die Umsetzung von Lösungen wird außerhalb der sozialen Sphäre diskutiert). Wenn es trotzdem Lösungsstrategien bennennt, bleiben sie abstrakt (Suffizienz, Subsistenz, Entkommerzialisierung) oder (z.B. in der Degrowth/Decroissance-Bewegung) es leiht sich die Anleitung für Handlungsweisen aus anderen Diskursen (solÖk, Commoning)

Commoning bleibt prinzipienbasiert, es fehlen Rahmenbedingungen bzw. sie sind nicht aus der eigenen Logik heraus ableitbar (man könnte aber sagen, dass Commoning die genaue Kenntnis um Ressourcengrenzen ermöglicht und sie zu reproduzieren hilft)
Semantik Beide Diskurse nehmen eine aktive Umdeutung vor: anderer Wohlstand und Erhöhung der Freiheitsgrade:

Wachstumskritik über „Befreiung von Überfluss“, „Ausbrechen aus dem eisernen Käfig des Konsumismus“

Commoning über „Erweiterung der eigenen Lebensbedingungsverfügung / Handlungsmöglichkeiten“ (zu Raum, Boden, Beziehungen)
Commoner reden von „Logik der Fülle“, während Wachstumskritiker von Grenzen reden. Fülle wird allerdings auf wachstumskritischer Seite oft mit unendlicher materieller Verfügbarkeit verwechselt, dabei meinen Commoners eher „genug für Alle“, die Fülle der Beziehungen und Institutionen (Soziodiversity) oder, im Höschele-Sinne, eine Fülle von Commoning-praktizierenden Initiativen UND

Silke: Logik der Fülle ist als Begriff allerdings noch marginalisiert innerhalb der Commons-Debatte

Brigitte: „Fülle“ wird manchmal provozierend verwendet und ist eher als poetisch-objektiv zu verstehen (im Sinne Andreas Webers). Auf die Fülle an Beziehungen und Möglichkeiten schaut die Wachstumskritik gar nicht hin, daher kann man auch nicht von Konflikt reden, sondern eher von unterschiedlichen Perspektiven auf eine gemeinsame vielschichtige Realität.
Selbstbezug Wachstumskritik geschieht nicht aus Gründen der Wachstumskritik, während man Commoning aus Gründen des Commonings machen kann
Bezug zu den ökologischen Grenzen

Aktionsachsen / Strategische Hebel
Gemeinsame Nutzung von Ressourcen durch Commoning kann Umweltverbrauch absolut reduzieren; Paech (2011): Nutzenintensivierung und Nutzendauerverlängerung reduzieren den konsumptiven Umweltverbrauch (Dematerialisierung durch Ko-Nutzung) Durch Ko-Nutzung können Rebound-Effekte entstehen (vgl. dazu ausführlich: Peters et al., 2012)
  1. Die Nutzung gemeinschaftlich geteilter Güter kann direkte Umweltkosten verursachen, bspw im Rahmen erhöhter Transportraten und der umweltintensiven Logistik für den Verleih.
  2. Teilen und Verleihen von Gütern, deren Nutzung mit relativ hohem Umweltverbrauch verbunden ist, kann eine breitere Bevölkerungsschicht als bisher Zugang dazu erhalten, womit die Umweltkosten insgesamt steigen
  3. Psychologische Rebound-Effekte, also Verhaltensänderungen mit negativer Umweltbilanz, könnten entstehen; beispielsweise wenn beim Konsument die Einstellung vorherrscht, dass die Leihnutzung eines Gutes den ökologisch schädlicheren Konsum anderer Güter kompensiert

(Anmerkung: Die Beschreibung dieser Effekte ist zunächst einmal ein neutrales Analyseinstrument und keine Ablehnung von Ko-Nutzungspraktiken; es hilft sie in ihren Umweltauswirkungen besser einzuschätzen. In vielen Fällen sind diese Praktiken der Individualnutzung immer noch überlegen oder bedingen oder erzeugen Anreize für einen Wandel übergreifender Institutionen, die nachteilige Effekte auf individueller Ebene ausgleichen.)

Bezug zu den ökologischen Grenzen Commoning ist bedürfnisorientiert, aber nicht bedürfnis weckend → damit können seine Prinzipien eine Wirtschaftsform anleiten, die nicht wachstumsorientiert ist
Bezug zu den ökologischen Grenzen Commons-creating peer production, besonders wenn sie entkommerzialisiert und kapitalneutral stattfindet, mindert den Wachstumsdruck, da keine Kapitalverwertungslogik existiert
Bezug zu den ökologischen Grenzen Copyfarleft (Transition-Ansatz des Commonings: Wer aus den Commons schöpft, muss auch etwas zurück geben) scheint eine notwendige Bedingung dafür zu sein, da sie auch Gewinne bei rendite-getriebenen Unternehmen abzapft und wiederum entkommerzialisiert Bei „bloßem“ Copyleft: stehen offene, nicht-rivale Ressourcen durch Commoning prinzipiell auch Unternehmen zur Verfügung und können somit durch sie für Produktionswachstum genutzt werden („Copyleft-Rebound“)
Bezug zu den ökologischen Grenzen Commoning fragt nach Beitragen statt Tauschen und ermöglicht somit Prosumenten, die eigenwirtschaftlich/subsistent vom geldgestützten Konsum Abstand nehmen und somit weniger Umweltverbrauch ermöglichen Aus Commons-Sicht ist Subsistenz ist nicht dasselbe wie Commoning, da S. noch die alte Schablone von eigenwirtschaften versus globalverteilt produzieren reproduziert;

besser wäre wohl (Re-)Produktion

Commoning rund um physische Ressourcen findet meist in räumlich begrenzten Zusammenhängen statt, womit regionale Wirtschaftskreisläufe gefördert werden. Kurze raum-zeitliche Produktions- und Nutzungsketten senken den Umweltverbrauch, da weniger Energie für den Transport aufgebracht werden muss
Commoning fördert soziale Beziehungen und ihre Anerkennung als (dematerialisierte) Formen von Wohlstand. Der Umweltverbrauch durch positionale Bedürfnisse und symbolischen Konsum nimmt ab, wenn Individuen Wohlstandssteigerungen bereits durch tiefere soziale Bindungen erleben



Noch nicht drin:

  • Wiederbelebung handwerklichen Wissens / konvivialer Techniken durch Commoning und der Beitrag zu subsistenten/(re)produzierenden Lebensstilen
  • Aussage über die Einschätzung von unterschiedlichen Besitzinsitutionen in den beiden Diskursen
  • Commoning als Potenzial für Nachhaltigkeitsinnovationen (Ist in Commoning-Strukturen ein vorausschauenderes Wirtschaften wahrscheinlicher als in herkömmlichen Unternehmensstrukturen? Wenn ja, welche Faktoren sind entscheidend?)



Quellen:
Paech, N. (2011b). Skript der Veranstaltung Instruments of Sustainability Management, Universität Oldenburg
Peters, A., Sonnberger, M., Dütschke, E., Deuschle, J. (2012). Theoretical perspective on rebound effects from a social science point of view. Working Paper to prepare empirical psychological and sociological studies in the REBOUND project. Erschienen in: Working Paper Sustainability and Innovation, Nr. 2/2012. Karlsruhe. Fraunhofer ISI.