May 24, 2017, Wednesday, 143

3. Juli

Aus Commons Sommerschule

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Dokumentation 2013

Inhaltsverzeichnis

Urbane Commons

Dialog über Urbane Commons

Zwischen Brigitte Kratzwald und Silke Helfrich

Kick-off Dialog

S: Der Begriff Urban Commons erscheint mir nicht nur sehr uncharmant, sondern ich frage mich auch, wofür wir ihn analytisch brauchen. Vielleicht verweist er zumindest auf die historische Dimension. Jonathan Rowe wies darauf hin, wie immens schnell der Prozess der Verstädterung abgelaufen ist. Commons waren immer auch ein Sicherungsnetz auf dem Land. Aber diese Funktion hat im Prozess der Verstädterung niemand mitgedacht. So war es nicht möglich, dass sich etwas Ähnliches in der Stadt aufbaut und entwickelt. Vielmehr hat man auf Übertragung der Sicherungssysteme an die Nationalstaaten gesetzt. (Moderninisierung von Nationalstaaten, Industrialisierung und Verstädterung hängen ja eng zusammen.) Früher ist man aufs Land gefahren, um sich zu versorgen, mittlerweile fährt man in die Stadt, um sich zu versorgen, auch dort sind die Sicherungsnetze inzwischen geschwunden - die Abhängigkeit von staatlichen Dienst- und Sozialleistungen omnipräsent (in den Industriestaaten). Allerdings stellt sich die Frage, was eigentlich passiert, wenn dem Staat das Geld ausgeht?

B: Ich hab den Eindruck, dass der Begriff und die Idee der Commons in der Stadt wichtiger ist und häufiger verwendet wird und auch von größerer politischer Relevanz ist, als in ländlichen Regionen. Vielleicht deshalb, weil hier die Isolation der Menschen größer ist und der Verwertungsdruck des Kapitals, deshalb ist dort der Leidensdruck und auch das Widerstandspotenzial. Da sind einerseits marginalisierte Gruppen, die sich alternative Versorgungssysteme aufbauen - das wird von uns oft gar nicht als Commons wahrgenommen, sondern eher spricht man dann davon, dass MigrantInnen sich nicht integrieren wollen, oder von "organisiertem Betteln" - aber da sind auch viele junge Menschen, Studierende und KünstlerInnen, die in dieser Hinsicht oft besonders kreativ sind.

S. führt einen weiteren Gedanken von Jonathan Rowe an: Das was in den Städten entsteht sind "Halbinseln gegen den Strom" (Friedrike Habermann). Das ist begrüßenswert, aber ist es strukturverändernd? Über staatliche Strukturen erfolgte neben der Umverteilung auch eine Zentralisierung. Zudem kann nur verteilt werden, was produziert wird (Abhängigkeit der Sicherungssysteme von der kapitalistischen Marktwirtschaft), also sind nur die Bäume im Blick (und wenn keine Bäume wachsen, gibt es eben nix), aber nicht den Wald. Aus Commonsperspektive geht es um Prädistribution (Vorverteilen) statt Redistribution. Diese Prädistribution (s.u. auch Primärverteilung) entsteht in dem Moment, wo wir über Nutzungsrechte am Wald als sozio-ökologisches System nachdenken und selbige festlegen. Wenn wir also über Nutzungsrechte in den Commons selbst reden; über das, was hinter den Bäumen steht, deren Wachstum ermöglicht. Das passiert nicht in den Städten; auch noch nicht in städtischen Commons. Dort enstehten noch nicht wirklich commonsbasierte Infrastrukturen.

B: Der Markt hat es ja bisher auch nicht geschafft, Städte nachhaltig zu machen. Wir müssen mehrere Strategien entwickeln wie man dies erreichen kann und die Commonsinfrastruktur aufzubauen.

Dikussionsrunde:

E: landliche commons vs. Städtische commons! Städtische commons kriegen mehr aufmerksamkeit. Viele junge leute, es ist hip, möglichkeiten um die idee zu verbreiten. Persönliche erfahrung it auch so. letztlich stellen sich viele frage nach verteilungsgerechtigkeit, nach produktionsverhältnisse. Und dann kommt auf das leben am land zurück. Städtische räume sind suoer um sie mit der idee in verbindung zu bringen, aber man kommt nicht am land vorbei.

S: Städte: Leben ist flüchtiger. Im dorf bleibt man irgendwie länger. Strukturen in Städten also auch flüchtiger und müssen immer neu aufgebaut werden, und können nicht so konstant wachsen. Menschen in <Städten oft aus unterschiedlichen kontexten entrissen müssen sich erst wiedrr aufbauen. Am Land vielleicht oft Commons, nur nennt man es nicht so.

N: zu viel Diskussion. Verfahrenvorschlag! Unterschied Dorf und Stadt, wenig Sinn. Stadt ist großes Dorf und Dorf ist kleine Stadt. Themenvorschlag? → Stadtführer für Commons, 100 Schritte auf dem Weg in die Stadt der Commons (DAS IST SPÄTER TATSÄCHLICH GESCHEHEN, LINK EINFÜGEN SOBALD DIE OPEN SPACE DISKUSSION DAZU DOKUMENTIERT IST - SH)

K: Anderes Verständnis von Fortschritt auf dem land und in der Stadt. Stadt: Commons als progressiv ansehen, wohingegen am Land das absolute Gegenteil von progressiv ist, eher altmodisch!

K: Land. Die Allmenden sich abgeschafft, und wie hat es in dieser Zeit, als es sie noch gegeben hat in der Stdt ausgesehen? Stadt hat ganz eigene Struktur und Gesellschaft, im feudalen System entwickelt. Z.B. Zünfte, die sich organisiert haben. Natürlich haben Städte immer auf Kosten des ländlichen Raums gelebt. Auch nicht immer zum Vorteil der bauern, entw. Der letzten 100 bestimmten die Städte, und das ist im Grunde das was wir heute als entwicklung bezeichnen. Stadt land in historischer genese? UNKLAR??

G: Staat hat kein Geld, problematisch! Wir denken Commons mit Primärverteilung zusammen, aber auch mit umverteilung. Städte sind durch kommerzialisiert oder den untergang geweiht. Frage nach der Gentrifizierng??? temporäre autonome zonen, boten freiraum für ganz neue ideen. Was hat für uns einen hohen Wert, was für den Kapitalismus einen ganz niedrigen Wert hat,

D: Grenzen zwischen Stadt und Lnd ist nicht mehr klar. Die ganze Welt ist schon urbanisiert. Inwertsetzung der Natur ist eingliederung in das kapitalistische System. Trickel Down Effekt. Städtische Commons nehmen wir eher wahr, wenn wir da lbene. Rolle des Internets beim Kennenlernen und Informationen. Informationskanaäke zu ländlichen Commons. In der Satdt ist es einfacher Commons zu schaffen, Emergenzeffekte, weil Menschen viel leichter etwas neues aschaffeb können, weil es viele sind und sie persönliche zusammentreffen können. Städte besere katalysatoren für commons. Am land gibt es commons: Nachbarschaftshilfe als Common!
Frage????--> Wie erschaffen wir die kritische Masse, die sich auf breiter Ebene mit einbringen???

A: Kunst, wo liegt die kreativität und das potezial um sachen zu starten, weg von intellektullen und akademeischen rahmen mit normalen Menschen. Bürgerinitiativen! Ortsspezifische: Es gibt keline Orte wo viel Engagement ist, in anderen weniger. Auch in Städten gibt es Stadteile wo viel weiter geht und Ideen zu Commons entsehen und da sind, und in andere geht garnix! Frage??? → Wie könnte ich diese temporär autonomen Zonen öffenen, uns zwar nach den immateriellen Werten, die gewünscht sind! Wie kann ich also diese Räume öffnen/schaffen, um diese immateriellen Werte zuerreichn und sich das Gehör zu verschaffen?

S: Persönliche Ebene in Commonsprojekten! Welche Gefühle hat man dabei, wie geht es einem?

D: Progressive Ideen aus der Stadt. 60Er auch wieder eher von stadt ins land. Stadt, die wir als commons denken wollen, ist eigentlich keine moderne stadt. Hierarchie zwischen Stadt und Dorf? Warum eigentlich dieser Dualismus Frage??? → Wie kann man Stadt und Dorf als Netzwerk denken?

S: Territorialisierung der Stadt. Stadt aus eurozentristischer Weise denken, schwer! Mexiko City! Wir müssen als zurück, wie Stadt früher war. Frage??? Wie kann ich also Stadt denken, die die Macht umschiffen kann? Wie verbinden wir Commonsprojekte zu einer starken Infrarstruktur?

M: Postmodernes. Konreter institutioneller Vorschlag. Zwischennutzungskonzeote. Leerstandagenturen. Leerstandsagenturen in Verdinung mit Commons diskutieten.

B: Welche Kompetenzen brauchen wir als Commoners. Und sind diese am Land und in der Stadt unterschiedliche?

P: Geld weg, was tut der Staat jetzt? Vgl. Öl weg, was machen wir jetzt? Wie kann man die Zusammenarbeit und Koordination der verschiedeen Gruppen angehen und zusammenbringen?

N: Nicht nur Fragen, sondern auch Handlungsanweisungen sind hilfreich.

G: Ausgeblendet bleibt bisher hier, dass im gloablen Süden Commons im ländlichen Raum immer noch aktuell sind und gelebt werden Bsp: Zapatistas. Indigene führen diese (als Kultur) oft auch in der Stadt weiter. Also: Commonssysteme in der Stadt in globalen Süden ansehen. Und eine Commonsbasierte Organisation-Organisation aller Lebensbereiche entwickeln!!! --> Dazu gab es später eine Arbeitsgruppe. SOBALD DIE DOKU FERTIG IST - VOM 04. JULI  - LINK SETZEN (SH)

B: Frage nach dem öffentlichen Raum? Überwachung und Kontrollen? Partizipationsmöglichkeiten Frage??? → Der öffentliche Raum: Partizipation und Demokratie? Governancestruktuen in der Stadt, Stadtplaung als Commons?

StadtDorf-Vernetzung

Was sind Netzwerke?

  • Es geht nicht um Stadt vs. Dorf, sondern um die Verbindung. Weg vom Endpunktgedanken hin zum relationalen, prozesshaften Verbindungsgedanke.
  • Es gibt kein entweder oder, es geht darum von beiden zu lernen und die Verbindung zu spüren (erfahren).
  • Bilder vom Spinnennetz und Fischernetz, haben gesehen, dass wir da in eine dritte Dimension gehen sollten. Bild des Gehirns mit Nervenzellen die sich bewegen und neu ausbilden, über Bild von der Permakultur mit der Relation zwischen den verschiedenen Pflanzen, bis hin zum Buddhismus wo es um das Bild der „Inter-Seins“ geht.
  • Verbindungen sind die Weltanschauung aus der heraus Gestaltung aktiviert werden kann. Nur die Knotenpunkte in einem Netzwerk zu sehen ist wird dem nicht gerecht.
  • Netzwerke bilden sich auf verschiedenen Ebenen ab, physisch und emotional. Verschiedene Ebenen müssen dabei verbunden werden.
  • Das Wissen um den Verbindungsgedanken ist die Quelle aus dem heraus die Bedürfnisse erfüllt werden können, dies kann zur Lösung der Stadt/Land Dichotomie führen
  • Kleinere Netzwerke können in größeren Netzwerken heraus gebildet werden. Polyzentrische Governance (Resilienz).---> Frage: Zusammenhang zwischen Polyzentrischer Governance und Resilienz unklar (Silke)

Warum wollen wir Netzwerke?

  • raus aus den hierarchischen Strukturen
  • Stadt als Ort der Produktion wie aus Geschichte gedacht ist veraltet. Es braucht neue Orte der Emanzipation. Netzwerke als Antwort

Was behindert Netzwerke und wofür brauchen wir Resilienz?

  • Die neoliberalen politischen Arrangements behindern den Netzwerkgedanken bzw. bremsen sie und arbeiten gegen sie (Gelddenken, kapitalistisches, konservatives Denken)
  • Machtstrukturen und hierarchische Strukturen, die durch Überregulierung Emanzipation und Kreativität unterdrücken. Resultat: Denkblockaden und Vorurteile verhindern das Denken bzw. Erkennen von Netzwerken. Gefühlsebene: fehlendes Selbstbewusstsein oder Unsicherheit durch fehlende physische Grundsicherheit, schlechte Erfahrungen, Mangel an Mut.
  • Unsicherheit, Angst Grundbedürfnisse nicht zu befriedigen, funktionierende feststehende Strukturen geben Sicherheit
  • Eigene Identität verschiedener Initiativen und Netzwerken, Netzwerke zusammenbringen um alle Bedürfnisse zu erfüllen, notwendig sich mit Wertehaltung auseinandersetzen, Gruppen entpolitisieren (das ist unklar). Es ist die Identität der Isolation, die verhindert die Verbindung zu anderen Organisationen nicht sehen. Z.B Silke H. Zitat: „Wir müssen die Hacker mit der Umweltbewegung zusammen bringen!“. – Orts- und Ich bezogenen Identität anstelle einer relationalen Identität. In Frageform gebracht: Mit wem bin ich? Wodurch bin ich? Zu Wem bin ich? (statt: Für wen bin ich?)
  • Spalte und Herrsche aus der antiken Sichtweise, ähnlich zu Teile und Herrsche
  • Wenn man den Blick geschärft hat, muss der Fokus auf viele verschiedenen Arten von Netzwerken gelegt werden, was bis dato nicht der Fall ist (Postmoderne Sichtweise, Emanzipatorisches Potenzial liegt darin (worin?) im Gegensatz zur Moderne)
  • Politische Vereinbarungen, die „Schein-Partizipation“ ermöglichen und eine netzwerkartige, weit tragend Struktur da behindern, wo sich die wertvollsten Möglichkeiten ergeben. Stichwort LA 21 und die tatsächliche Gestaltungskraft im neoliberalen governance System.
  • Denken in Punkten sehen, statisches vs. Prozess/Netzwerk/Relationen Denken
  • Geldlogik packt einen Schleier vor das Prozessdenken, auf das was dahinter passiert
  • Durch gut funktionierende Netzwerke der kapitalistisch orientierten Herrscher wird ein anderes Denken ver/behindert (siehe dazu den Vortrag von Wolfgang Höschele von der Sommerschule 2012: Netzwerke der Knappheit und der Fülle und wie sie aufeinander einwirken)
  • Physische Isolation von Stadt und Isolation von Dorf, historische Vorurteile
  • Duales Denken von Stadt und Dorf
  • Ein zu starkes 'Für wen bin ich?‘ Denken
  • Ort-und ich gebundenes Denken, Art der Beziehungen als Potenz, notwendig (unklar, warum ist ein Komma vor "notwendig", was genau ist notwendig) 

Aspekt der Resilienz als Grundlage für die Diskussion um neue Governance Strukturen:

Selbsterneuerung eines Netzwerkes. Es ist redundant, dezentral, passt sich an Gegebenheiten an.

  • Passt sehr gut in das Nachbarschaftsdenken.
  • Netze, in denen alle Bedürfnisse erfüllt werden können. Wenn man ein globales wirtschaftliches System hat, dauert es lange bis eine Rückmeldung (Feedback) kommt, ob es Fehler im System gibt. Ein Bsp. ist das Erdklima oder Ökosysteme, die auf Störungen reagieren. Um Funktionsverlust oder Systemzusammenbruch zu vermeiden, wird versucht das System neu zu organisieren, ohne dass es die wesentlichen Charakteristika verliert (z.B. durch Re-Organisation der Versorgung und allen was ihr zu Grunde liegt (weiter gedacht: von Ware zu Commons))
  • Keine starren Systeme, die Grundfunktionen bleiben erhalten durch die Fähigkeit sich in einem gewissen Ausmaß neu zu organisieren (Adaptation).
  • Resiliente Systeme sind modulare Systeme (z.B im Wald der teilweise abbrennt wird die Funktion des Waldes nicht eingeschränkt aber für gewisse Teile in Kauf genommen).
    Resiliente Netzwerke in Abgrenzung zu Denken in statischen Gleichgewichten (Klassische Ökonomie)
  • ‚There is no such thing as nature, there is multiple forms of nature to be understood as different forms of societal relations to nature.’ (Eric Swyngedouv)
  • Vielfältigkeit von Dingen anerkennen ist Grundlage von Resilienz (korrekt?).

Was braucht es um StadtDorf Netzwerke und Netzwerkdenken umzusetzen?

  • Einen veränderten Umgang mit Begrifflichkeiten. Prägung und Besetzung von Begriffen im Diskurs, damit die veränderte Netzwerkvorstellung in institutionelle Arrangements und Entscheidungen mit einfließen zu lassen, sodass kurzsichtige politische Entscheidungen nicht mehr möglich werden. (Resilizenz anstelle von Statischen Systemdenken, Relation im „Zwischen „ anstelle von topologischer Vorstellung
  • Netzwerkdenken als Netzwerkmöglichkeit zu sehen. Netzwerke Erlebbar, Fühlbar, Erfahrbar zu machen
  • Dezentralisierung als Grundvoraussetzung- Bildung für Netzwerkdenken
  • Es braucht eine Währung die nicht die Potenz an einem Ort oder Identiät ausdrückt sondern die Vielfalt bestehender Beziehungen.
  • Es wird nicht so sein, dass alles gleich verteilt sein wird. Wir müssen Dichte und wenige Dichte Regionen voraussetzen. Zusammenschlüsse können da helfen. Vielfalt regionaler Unterschiede kann bestehen bleiben.
  • Kernelemente Resilienz: Lokalität, Diversität und Pluralität. Querintegration.
  • Kommunikationsräume (plural aktiv und passiv) schaffen wo das möglich ist und die Menschen dazu zu bringen, dass sie kommunizieren.


Gedanken zu Commons Netzwerken

Von Silke Helfrich nach einer Idee von Wolfgang Höschele