May 24, 2017, Wednesday, 143

28. Juni

Aus Commons Sommerschule

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Dokumentation 2012

Inhaltsverzeichnis

Open Space

Perspektiven auf Geld



Gütertheorie und Rivalität


Rival Nicht Rival
Leicht Ausschließbar Brötchen Privatstrand
Schwer Ausschließbar Hochseefischerei Deichanlagen


Rivale Güter
alter Rivalitätsbegriff
In der neoklassischen Gütertheorie wird zwischen rivalen und nicht-rivalen Gütern differenziert. Rivale Güter sind solche, die bei Nutzung verbraucht werden, und entsprechend anderen nicht mehr zur Verfügung stehen. Als Beispiele werden hier natürliche Ressourcen wie Kohle und Ackerland, aber auch Lebensmittel angesehen. Als nicht-rivale Güter werden Güter bezeichnet, die nicht “verbraucht” werden könnten, da sie durch Nutzung nicht weniger werden. Beispiele sind Deiche, das Licht der Straßenlaternen oder der Autobahnen (ohne Stau),  mitunter auch eine Wiese zum Golfspielen. Diese Theorie ordnet jedes Gut einer Kategorie zu, bestimmt durch Eigenschaften, die in dem Gut selbst lägen.

Bisheriger Commons-Rivalitätsbegriff
In der Commons-Debatte wird auch zwischen rivalen und nicht-rivalen Ressourcen untershieden. Wasser wird als rival bezeichnet, da der individuelle Anteil geringer würde, sobald man sich gemeinsam an dessen Vorrat bedient. Wissen dagegen sei nicht rival, da es tendenziell mehr würde, wenn es geteilt und getauscht werde. Hier wird die soziale Beziehung zwischen den NutzerInnen in den Mittelpunkt gerückt, nicht Eigenschaften, die dem Gut inhärent sind. Es wird also deutlicher darauf verwiesen, dass bei rivalen Gütern die Menschen um die Ressourcen “rivalisieren” oder “konkurrieren". Dies geschehe aber nur, wenn sie nicht in Fülle, also in ausreichender Menge, vorhanden seien. Ob sie aber ausreichend oder in Fülle vorhanden seien, hänge nicht von dem Gut selbst ab, sondern vielmehr vom Handeln der Gemeinschaft der Nutzenden und Nicht-Nutzenden. Der Rivalitätsbegriff wird nicht aufgegeben, aber es wird auf die Relevanz der sozialen Beziehungen, der Allokationsfrage verwiesen.

Neuer Commons-Rivalitätsbegriff
Die Kritik am alten Commons-Rivalitätsbegriffs besteht darin, dass Ressourcen nicht rival sein müssten, da sie ja nicht verschwinden, also, die Atome werden transformiert, sie verschwinden allerdings nicht. Ausserdem kann auch das gemeinsame Essen eines Apfels ein größerer Genuss sein, als wenn man ihn alleine äße. Das kann z.B. Daraus resultieren, dass soziale Aspekte des Teilens mit einbezogen werden.

Menschen bauen zu einer Ressource eine bestimmte Beziehung auf: sie möchten sie in einer Art und Weise nutzen (Bedürfnisbefriedigung) mit der sie andere davon ausschließen sie gleichzeitig zu nutzen (z.B. aufessen). Wenn andere Menschen auch eine Beziehung zu der Ressource aufbauen, sie auch nutzen möchten, entsteht eine Rivalität / eine Unvereinbarkeit beider Nutzungswünsche. Dies ist eine soziale Beziehung zwischen den Menschen, über den Umweg des Gutes. Soweit besteht Einigkeit. Aber die zeitliche Komponente ist wichtig, da stoffliche Dinge sich ja nicht auflösen, durch Nutzung (Essen), sondern umgewandelt werden und in der Biossphäre verbleiben und in der Regel wieder etwas Nutzbares produzieren. Die Rivalität bezieht sich demnach hauptsächlich auf die zeitliche Dimension, also die gleichzeitige Nutzung (in einer ausschließenden Art) ist nicht möglich.

Korrekter wäre es demnach zu sagen:

Definition über Nutzung:
Menschen machen eine Ressource dann rival, wenn sie von mehr als einem Menschen genutzt und von mindestens einem von diesen auf zeitlich exkludierende Art und Weise genutzt zu werden gewünscht wird.


Alternativvorschlag Silke folgt, denn mir scheint obenstehender Satz unverständlich.

Brigitte: habe daher versucht, den Satz grammatikalisch zu verbessern, siehe kursiven Teil):

Menschen machen eine Ressource dann rival, wenn sie von mehr als einer Person zugleich genutzt wird und wenn mindestens eine Person wünscht, die Ressource so zu nutzen, dass andere von der zeitgleichen Nutzung ausgeschlossen sind.

Brigitte: meine Frage: muss es unbedingt ein aktiver Wunsch sein? Oder können nicht bestimmte gesetzliche Regelungen jemanden dazu zwingen oder die ausschließende Nutzung zumindest nahelegen?

Definition über Bedürfnisbefriedigung und Menschen:
Ressourcen werden dann rival, wenn sie für die Bedürfnisbefriedigung von mehreren Menschen genutzt werden könnten, aber nicht alle Bedürfnisse in Gänze befriedigt werden können. Dann konfligieren (rivalisieren) die Bedürfnisse in Raum und Zeit und nicht die Ressourcen.

Definition über Bedürfnisbefriedigung:
Ressourcen werden dann rival, wenn sie für die Befriedigung von mehreren Bedürfnissen genutzt werden könnten, aber nicht alle Bedürfnisse in Gänze befriedigt werden können. Dann konfligieren (rivalisieren) die Bedürfnisse in Raum und Zeit und nicht die Ressourcen oder die Menschen an sich.


Anmerkung Silke: Unterschied zwischen den letzten beiden Definitionen ist unklar. M.E. ist das dasselbe.

Die Konsequenz aus dieser Perspektive bei allen nicht rivalen Ressourcen ist: sie können jedem Menschen in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werden (Das wird auch im "alten" Commons-Rivalitätsbegriff offensichtlich). Bei Ressourcen, um deren Nutzung wir mitunter in Zeit und Raum rivalisieren, müssen Regelungen gefunden werden, wie mit der Knappheit (in Zeit, Raum, bei exkludierender Nutzung) umgegangen werden kann (z.B. Maximalnutzungsrechte).

Die zweite Dimension, die in der klassischen Gütertheorie aufgemacht wird ist Exkludierbarkeit. Deiche, Regenwasser und Straßenlaternenlicht sind nur schwer abzuschotten. Lebensmittel, Autobahnen und Land dagegen lassen sich in ihrer Nutzbarbeit leichter abschotten. Dies ist allerdings auch nicht den Gütern inhärent, sondern eine soziale Beziehung, die sich an der Nutzung der Ressource orientiert. Straßennamensschilder lassen sich in ihrer Nutzung offen gestalten (so wie traditionell gemacht), man kann sich aber auch vorstellen, dass bei jedem Anzeigen des Straßennamens im GPS ein kleiner Betrag bezahlt werden müsste. Theoretisch können alle Güter technisch-sozial ausschließbar oder nicht-ausschließbar gestaltet werden, es kommt auf soziale Regeln an.

Siehe hierzu den Artikel: Gemeingüter sind nicht, sie werden gemacht von Silke Helfrich in: Commons;Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, transcript 2012.

'Tatsache ist: 'Die Matrix rival-excludable kann nicht mehr verwandt werden.

Gut + soziale Beziehungen (exkludierende Nutzung) rival
Gut + soziale Beziehung (nicht exkludierende Nutzung) nicht-rival

Commons & Bildung

Leitfragen

  • Welche Fähigkeiten braucht man, um Commons zu (re-) produzieren
  • wie müsste Bildung gestaltet sein, um diese Fähigkeiten zu vermitteln
  • Wie müsste Bildung gestaltet sein, um als Commons weitergegeben werden zu können? (nicht bearbeitet)
  • Transformation der Bildungsinstitutionen (nicht bearbeitet)


Bildungsbegriff

  • Soll sehr offen definiert werden
  • nicht nur Schule/Uni/Kindergarten, auch Treffen mit Freund_innen, Reisen


Bildungskategorien

  • lernen
  • erziehen
  • politisch und emanzipatorisch
  • Zivilgesellschaft (wie lässt sich ein Bürger bilden)
  • theoretisches, technisches und phronesisches Wissen
  • Herzensbildung (Verhältnis zu sich uns seinen Gefühlen und die Fähigkeit mit anderen Menschen in Beziehung zu treten – nicht nur mit dem Kopf sondern auch mit den Gefühlen, Spiritualität)


Spiritualität

  • Spiritualität wird heute nur mit Religion erklärt und durch „Religionsunterricht“ gelehrt
  • Spiritualität kann aber anders, direkter erfahren werden
  • heute kann eine Erfahrung kaum spirituell nur religiös erklärt werden
  • Ganzheitlichkeit anstreben


Beziehung

  • zu sich und zu anderen Menschen wird heute oft vernachlässigt


Notwendige Fähigkeiten fürs Commoning

  • Kreativität
  • Visionsfähigkeit
  • Freude, Lebenslust
  • Empathie/ Einfühlungsvermögen
  • Achtsamkeit (für sich, andere und das Commons)
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Konfliktfähigkeit
  • Kooperationsfähigkeit
  • (Selbst-) Organisationsfähigkeit
  • Dialogfähigkeit
  • Abstraktionsvermögen
  • Selbstkritik, -reflexionsvermögen
  • kritisch-konstruktives Denken
  • Schaffenslust
  • Praxisorientierung
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Selbstvertrauen
  • Vertrauen
  • handwerkliche Fähigkeiten
  • künstlerische Fähigkeiten
  • eigene Bedürfnisse erkennen, formulieren, kommunizieren und befriedigen können
  • „Selbstfindungsfähigkeit“ (Identität, Werte, Verbundenheit, Verhältnis von sich zur Umwelt)
  • Hingabe, Ganzheitsempfinden
  • Gespür für die akzeptable Balance zwischen eigenen Bedürfnissen und derer der anderen
  • Grundwissen in den Wissenschaften (z.B. Politik, Ökosysteme, Mathematik, Physik, Chemie, Sozialsysteme, Wirtschaftssysteme, Geschichte, Kultur und Tradition, Sprache, Philosophie)
  • Bleiben formale Bildungsinstitutionen nötig?
  • wichtig, auch als „Tapetenwechsel“
  • sollte für alle (unwichtig welches Alter, Geschlecht, Herkunft, etc.) da sein
  • Freiraum, sich auf seine Entfaltung zu konzentrieren
  • Institutionen sollten gemeinsam gestaltet werden, keine Trennung zw. Lehrenden und Lernenden
  • Lehrende sollten in Commons-Arbeiten integriert werden und Raum dazu haben, in ihnen Teil zu haben
  • Lehrende sollten genauso bei anderen Lehrenden lernen wie Lernende

Ziemlich hohes Anforderungsprofil, könnte den einen oder die andere abschrecken :-)!

Reputationssystem

  • Lehrende sollten nicht nur aufgrund ihrer beruflichen Leistungen ausgesucht, sondern auch nach ihren pädagogischen Fähigkeiten ausgesucht werden

Commons und Staat

Hier einmal die Präsentation, die Tonspur folgt!



Hier die anschließende Diskussion zum Thema Commons und Staat



Theorien der Kooperation

Theorien der Kooperation

Diese Diskussion wurde am 28.6.12 im OpenSpace der Commons-Sommerschule geführt. Die Namen sind anonymisiert.

H1.:

  • Die klassischen Wirtschaftswissenschaften gehen vom Menschenbild des „Homo Oeconomicus“ aus: Kooperation nur zur individuellen Nutzenmaximierung
  • Wenn man vom H. Oe. weggeht, verändern sich viele Dinge

Wie kann man Kooperation theoretisch fassen und das dann weiterentwickeln?

G.:

  • Spieltheorie, Gefangenendilemma in den Wirtschaftswissenschafte problematisch und widersprüchlich: Kooperation wird nur unter bestehenden Bedingungen erklärt.
  • Spannend: Verbreitete Theorien dekonstruieren, da Anwendung ansonsten nur unkritisch,
  • Andere mir bekannte Möglichkeiten: Gegenseitige Hilfe, Föderalismus, Anarcho-Syndikalismus

S.:

  • Es gibt kein "so-sein" des Menschen, es sind soziale Praxen die den Menschen verändern. Daher: Wie macht man Kooperation einfach? (strategische Debatte). Es kann nicht darum gehen, dass wir eine neue  hermetische Beschreibung entwickeln, die von (einem anderen) hermetischen Menschbild ausgeht. Das schöne ist doch: Commons funktionieren mit den Menschen so wie sie sind. Es geht also darum, Kooperation in den Commons zur dominierenden Handlungsweise mache.

H1.:

  • Die Rahmenbedingungen beeinflussen die Handlungsweisen des Menschen; Kooperation sollte nicht das neue Paradigma sein. Wir sollten sinnvoll nach neuen Möglichkeiten zu suchen

H3.:

  • Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude; Es gibt auch sinnlichen Nutzen, nicht nur rein materiellen.

U.:

  • Wie kann in Kooperationen ein positives Gefühl erzeugen? Ein Besseres Gefühl als die "Geilheit des Geldes"; plastische Darstellung

P.:

  • Kooperation sollte Lebensfreude erzeugen

C.:

  • Theoretische Einbettung nötig um abstraktes Konstrukt des Homo Oeconomicus zu dekonstruieren

H1.:

  • Es gibt schon Spiele und empirische Studien zu Kooperation; was wir brauchen ist ein neues Konstrukt/Konzept/Theorie.

D.:

  • Wie kann ich Forschung begründen
  • Theorien d. Kooperation (auch in Commonsforschung präsent), Bsp. Gefangenen-Dilemma, siehe Ostrom: Cooperative Action ==> Es geht um Kooperation in den Commons
  • Es gibt Grenzen in den herkömmlichen Theorien (Ostrom, Spieltheorie) (Bsp Buch "The Evolution of Cooperation") ==> Zu kurz gegriffen, wir brauchen einen Begriff den wir in der Commonstheorie mitdenken können
  • Gefangenendilemma / Spieltheorie sind die vorherrschenden Paradigma
  • "Wie ist es möglich, dass Egoisten doch kooperieren?" aus Sozialdarwinisten: „Wir sind alle egoistische Individuen“
  • Zwei Verbrecher werden gefasst, die zusammen eine Bank ausrauben, verstecken den Schatz, versprechen sich nicht auszusagen, sie kommen im Gefängnis in unterschiedliche Zellen. Sie werden gefragt ob sie aussagen wollen. Polizei verspricht Verringerung der Haftzeit bei Aussage. Wenn der eine gegen den anderen aussagen würde (= nicht miteinander kooperieren), und der andere ebenfalls nicht kooperiert, dann kriegen sie 15 Jahre: Worst case. Für Individuen ist es immer besser nicht zu kooperieren
  • Wenn sie beide nicht aussagen kriegen sie 0 Jahre, wenn beide sich gegenseitig decken.
  • Aussage: Ich handle rational, das wird aber für die Allgemeinheit irrational und alle leiden unter der egoistischen Handlung
  • Vgl: Tragedy of the commons: Wenn individuelle Schäfer viele Schafe auf die Weide treiben wird sie überweidet und alle verlieren das Weideland.

H1.:

  • Diese Theorien finden nur unter bestimmten Bedingungen (Bestimmte Kommunikation, Bestimmte Sanktionen,...) statt

D.:

  • Ausgangspunkt ist das isolierte Individuum, sie haben keine Geschichte, keine Gesellschaft, das ist etwas das vom einzelnen Individuum ausgeht.
  • Frage:Wie kann man das anders denken, dass es nicht von einem einzelnen, isolierten Individuum ausgeht? (vgl unsichtbare Hand des Marktes und individuelle Nutzenmaximierer)

P.:

  • Wenn ich sicher sein könnte, dass du mich nicht verrätst, aufgrund von emotionaler Bindungen (Bsp: Bruderschaft)

D.:

  • Es ist nicht sinnvoll von isoliertem Individuum auszugehen. Fähigkeit, Gesellschaften auszubilden ist biologisch im Menschen angelegt

H2.:

  • Mensch kann alleine auch nicht überleben, wir können weder gut schwimmen, noch gut alleine jagen, etc

D.:

  • Menschen finden nicht Lebensbedingungen vor und akzeptieren diese, sondern kollektiv stellen sie neue Bedingungen her. * Die gesellschaftliche Kooperation ist im Menschen angelegt, der dominante Mechanismus zur Regelung der Reproduktion

H1.:

  • Die Menschheit begann mit Kooperation

D.:

  • Kann man eigentlich sagen: Der Mensch ist ohne Kooperation nicht zu denken, die gesamtgesellschaftliche Kooperation kann unterschiedliche Formen annehmen. Momentane Form: Warenproduktion.
  • Also: Wenn man über Koopertion nachdenkt muss man zwischen zwei Formen unterscheiden: gesamtgesellschaftliche Kooperation (Arbeitsteilung etc); eine andere Ebene ist die personale Kooperation (Menschen machen etwas zusammen). Wichtig: Personale Kooperation ist eingebettet in Gesamtgesellschaftliche Kooperation!!!

H1.:

  • Systematische und individuelle Kooperation
  • Was tun wir miteinander, weil wir mehr wollen, und was tun wir, weil wir etwas miteinander tun wollen?

S.:

  • Ist die Absicht zu kooperieren Teil der Kooperation, oder kooperiert man um einen anderen Zweck zu erreichen?

H1:

  • Unterschied zwischen Kooperation(= "Miteinander-Arbeiten") und Commoning?
  • intrinsische Motivation und extrinsische Motivation

D.:

  • Der Mensch ist gesellschaftlich, stellt seine Lebensbedingungen gesellschaftlich her
  • Theorie: Neandertaler ist ausgestorben, weil er keine Fähigkeit zur Vergesellschaftung hatte.
  • Gesamtgesellschaftliche Kooperation, die unterschiedliche Formen annimmt (hier: Warenproduktion) beeinflusst unser Commoning. Was für ein Verhältnis besteht, wenn Commoning nicht funktioniert? Brauchen wir Anreizstrukturen und soziale Kontrolle wie überall propagiert?
  • Wenn wir verstehen, dass unser Commoning eingebunden ist in den Kapitalismus mit seiner "Vernichtungs-Konkurrenz", dann können wir verstehen warum Commoning an manchen Stellen nicht funktioniert.
  • Was macht Kooperation in dieser Situation einfach (innerhalb eines kapitalistischen Systems)?
  • die gesamtgesellschaftliche Kooperation ist überlebensnotwendig, indirekt (Betriebssystem), notwendige Gewaltenteilung
  • die personelle Kooperation ist die freiwillige, direkte
  • was Commons trägt ist nicht gesamtgesellschaftliche oder personelle Kooperation
  • der Mensch muss Menschen fragen, was sie in Commons hält
  • wir müssen uns anders aufstellen, wenn wir die Essenz von Kooperation erfassen wollen
  • Welche Mechanismen halten uns in der aktuellen gesamtgesellschaftlichen Struktur



ESSENZ DER KOOPERATION

  • geteiltes Leid ist halbes Leid und geteilte Freude ist doppelte Freude
  • Freiwilligkeit, Miteinander Tun
  • Commons: Theory of collective Action
  • Gemeinsamkeit, sich gegeneinander unterstützen, Miteinander arbeiten
  • Geld ist nicht wichtig
  • Emergenz: das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile
  • Lebens-Sinn-stiftend
  • Erweiterung der Handlungsfähigkeit, befreiend, ent-isolierend
  • Bedürfnisbefriedigung gleichzeitig mit Bedürfnis mit
  • Vertrauen


  • Werte-Diskurs konzentriert sich auf Entwicklung von Werten, vernachlässigt aber Struktur aus der Werte entstehen
  • Commons als erlebbare Sache ändert Werte
  • Andreas Färber argumentiert mit Bibel: 7 Totsünden, Vertrauen kommt nicht vor
  • aber "Vertrauen steht im Zentrum eines Commons" (Ostrom)
  • aber Betriebssystem bleibt außen vor
  • Werte sind problematisch, kommen von außen


Finanzialisierung von Natur, Grüne Ökonomie und Herausforderungen für Entwicklungszusammenarbeit

Zusatz: Vortrag zur Finanzialisierung der Commons in der Grünen Akademie von Stefan.


Arbeitsgruppe: Gegenstrategien zur Finanzialisierung der Natur als Kernstück der Grünen Ökonomie, mit Blick auf entwicklungspolitische Herausforderungen (Heike/Sarah/ Reinald/Wolfgang)

Heikes Einführung: Es handelt sich nicht um völlig neue Konzepte, die erst jetzt kurz vor dem Rio Gipfel aus dem Hut gezogen wurden. Finanzialisierung ist das Ergebnis einer schrittweisen Deregulierung der Finanzmärkte und ist ein Weg, der seit Mitte der 70er Jahre beschritten wird, Hängepartien für gewinnträchtige Kapitalanlagen zu überwinden, sprich, wenn zu viel Geld rumliegt und zu wenige Güter, in die man investieren kann. Dann werden welche geschaffen. In der freien Leserunde wurde auf den Text von Tricarico und Löschmann im Commons Buch S. 184-194 verwiesen. Eine kürzere Fassung zu Finanzialisierung, ihrer historische Einordnung und ihrer potentiell gefährlichen Wirkungen in Verbindung von Wall Street und Finanzialisierung als ein Kernstück der Grünen Ökonomie findet sich in boellthema oder hier:

Fokus in der AG-Diskussion stärker auf den Aspekt der Inwertsetzung von Ökosystemdienstleistungen von Natur, es geht also nicht mehr nur um den Baum, der Holz und Früchte als Waren produzieren kann, sondern auch um sein Vermögen als CO² Umwandler in Sauerstoff zu fungieren, seine Dienstleistung als Frischluftproduzent. Wie ist die Idee in die Welt gekommen?:

- Der Evolutionstheoretiker E.O. Wilson schreibt 1992 das Buch The Diversity of Life , betont dort den unendlichen Wert von Biodiversität für Evolution, aber auch die unendliche Verwertung des noch unentdeckten Nutzens von Flora und Fauna wird dort herausgestellt.

- In der BiodivKonvention 1992 findet das umgehend Eingang. Die Konvention wird zum Ausgangspunkt einer Technisierung unserer Sprache über Natur, statt der Biodivkonvention angesichts planetarer Grenzen die Chance zu geben, die Grundlage für eine Neujustierung des Mensch-Naturverhältnisses zu geben.

- 1997 berechnet der ökologische Ökonom Robert Constanza mit seinem Team den Wert des Welt-Ökosystems mit 33 Mill. US-Dollar und die Ökologin Gretchen Daily veröffentlicht im gleichen Jahr eine Serie unter dem Titel: „ Nature’s Services: Societal Dependence on Natural Ecosystems

- Die Inhalte beider Publikationen finden ihren Weg auf die Schreibtische von Entscheidungsträgern auf höchster Ebene und finden Eingang in die globale Umweltgovernance und Entwicklungspolitik.

- 2001 gibt Kofi Annan das Millenium Ecosystem Assessment in Auftrag; Ziel: Nutzenkalkulation der Ecosystemdienstleistungen für den Menschen; zunächst keine vordergründige ökon, Bewertungsabsicht, aber Natur und Ökonomie nähern sich in der Begrifflichkeit immer stärker an. Diese Verflechtung gräbt sich in unsere mentalen Infrastrukturen.

- NATURKAPITAL tritt als Vokabel stärker in die Welt, folglich wird die Schädigung von Ökosystemen als Verlust von Kapitalgütern klassifiziert, und daraus gefolgert, dass fehlende Märkte für dieses Naturkapital die Ursache von Naturzerstörung sind (Externalisierungskritik)

- Naturverständnis wird damit zunehmend als Dienstleistungsbereitstellung für den Menschen ausgerichtet (also der Wald wir stärker als CO² Senke, als nur als Ort gesehen, wo Holz wächst).


- Dienstleistungen in anderen Bereichen haben einen Preis und sind handelbar - 2007/08 Stern Report erscheint (Philipp Stern war Chefökonom bei der Weltbank), er macht eine Kosten-Nutzen/Kosten-Verlust-Rechnung auf Aussage: was gegen Klimawandel jetzt tun ist billiger als warten, bis es irreversibel und noch viel, viel teurer wird, also rein ökonomistische Abwägung

- 2008 TEEB Studie (The Economics of Ecosystem Services and Biodiversity)

- Es ist der z.Zt. einflussreichste Versuch, eine Ökonomie der Natur und ihrer Dienstleistungen zu entwickeln

- Pavan Sukhdev, Studienleiter von TEEB: „Die Wurzel allen Übels ist, dass der ökon. Wert der Natur unsichtbar bleibt“ Folglich: gib der Natur einen Wert! Aber ausdrücklich NICHT einen Preis!!!

- Muss jede Monetarisierung, also INWERTSETZUNG ausgedrückt in Zahlen mit Euro oder Dollarzeichen dahinter zwangsläufig zur Vermarktung führen? (z.B. Schadensberechnung von Deep Water Horizon etc. , braucht das nicht eine monetäre Wertzuschreibung?)

- Idee: Politik soll durch Sichtbarmachung des Wertes von Natur und ihren Dienstleistungen in Interesse der Aufrechterhaltung der Lebensgrundlagen für die Menschen gesteuert werden, Naturerhalt regeln, dabei müsse die Sprache des Marktes her, damit die Nachricht eben auch von Marktakteuren verstanden werde

- TEEB: immer wieder inhärent ist das Missverständnis von der Tragik der Allmende und der damit verbundenen Logik für Steuerungspolitik, die zur Staat-Markt-Einhegungszange führt (siehe das Bild von Silkes Eingangsvortrag)

- Grundannahme von TEEB Autoren: Natur habe die Eigenschaft umsonst zu sein, das sei Tatsache des Lebens und Wirtschaftens im Kapitalismus. Aber man will nicht fatalistisch sein, sondern was dagegen tun.


FRAGESTELLUNG FÜR DIE DISKUSSION, für die Verteidigung der Commons, für entwicklungs- und klimapolitische Weichenstellungen: Unterstellen wir Achim Steiner, dem Chef von UNEP und Pavan Sukhdev, dem Studienleiter von TEEB, allerbeste Absichten. Fragen wir uns, wie wäre es möglich, den Wert-Preis-Trennungsmechanismus, die Grundannahme also, dass Natur und Naturdienstleistungen durch WERTSICHTBARMACHUNG in Form monetärer Größenzuordnung nicht automatisch mit kommodifizierbar und auf den int. Finanzmärkten handelbar gemacht werden können. Wie wäre diese Idee aus Commonssicht umsetzbar, welches wären die nötigen Voraussetzungen? Wie sieht ein Wirtschaftsparadigma aus, indem es möglich ist, Natur nur Wert zu schätzen, wie sieht damit verbundene Wertschöpfung, und eben nicht Geldschöpfung aus?

Diskussionsteil (Wir haben die Frage, die als langfristige Denkaufgabe steht, nur in Teilaspekten bearbeitet):

-Sinnvoll sind andere Indices für die Berechnung von Wohlstand, und nicht das BSP zum Maß- und Messstab aller Dinge zu machen. Ist ja schon einiges unterwegs. Siehe Bhutan und Thailand, Gross National Happiness Index u.a.

-Weiterhin: Berechnung von Einkommen aus Ökosystemabhängiger Subsistenz, für Indien wurden solche Berechnungen gemacht, ca. 50% des Einkommens von Familien in bestimmten Landstrichen aus Subsistenz, in Indonesien in einigen Landesteilen sogar bis zu 75%. Würden diese Berechnungen ins BSP einfließen, würden sie auch auf der Verlustrechnung auftauchen, wenn es um Zerstörung von Lebensgrundlagen für Subsistenzfarmer durch staatliche Investitionen oder Vergabe von Konzessionen an private Investoren geht.

-Vergleich mit Reproduktionsarbeit, die weltweit überwiegend von Frauen geleistet wird und auch in keiner volkswirtschaftlichen Bilanz aufschlägt.

-Eine Schlussfolgerung von uns: Wenn wir die Wertschöpfungszahlen aus Subsistenz- und Sorgewirtschaft neben die Zahlen aus realer Warenproduktion stellen würden, ergäbe sich sehr anschaulich ein Bild zuungunsten letzterer. Das müsste dann eigentlich andere Steuerwirkungen auslösen, die aber bei Einpreisung der bisher externalisierten Kosten natürlich auch soziale Ungerechtigkeit beinhalten kann.

-Es ist allerdings auch zu berücksichtigen, dass jede Reduzierung von “Ökosystemdienstleistungen” auf Geldwerte zu einer dramatischen Unterbewertung dieser “Dienstleistungen” führt. Wir können ohne das Ökosystem nicht existieren, und folglich kann auch kein Markt ohne Ökosystem existieren. Diese Dienstelistungen sollten also im Prinzip die Marktleistungen fast unendlich übertreffen, was sie aber nach den hier aufgeführten Berechnungen nicht tun.

Eigentumsdebatte: -Wir sind dann ziemlich schnell und ohne gedankliche Umwege bei der Eigentumsfrage gelandet, weil die Preisfindung im Rahmen der Inwertsetzung zweitrangig ist. Eigentumsrechte stünden im Vordergrund.

-Die Entwicklungsorientierung der europ. Eroberer weltweit ist das Grundübel, das seit 500 Jahren zu Einhegungen geführt hat. EFFIZIENTE, maximierende, nicht bedürfnissorientierte Naturnutzung steht im Vordergrund. Langfristiges, 7-Generationendenken gab es in der Kultur der Eroberer nicht

-Heute deshalb: Eigentumsrechte sind der einzige Verteidigungsschutz den Indigene haben, um ihre Kultur und ihre Territorien verteidigen. Deklaration von Manaus vom November 2011, Amazonasindianerstämme fordern die Anerkennung ihrer Territorien als Eigentum

-Problem: es bedarf KOLLEKTIVER EIGENTUMSTITEL, das bedarf in vielen Ländern juristischer Innovationen, Beispiel Kambodscha wird genannt, wo einzelne Chiefs als juristische Person aufgetreten sind, und sich später das Gemeinschaftsland haben abkaufen lassen oder Nutzungsrechte abgetreten haben…Anknüpfung an Konzept von res communes

-Alternative, ein Mäzän wie Soros kauft große Landflächen und übergibt sie den Menschen zur kollektiven Nutzung im Sinne ihres Lebens- und Gemeinschaftskulturerhalts. Ob man sich allerdings langfristig auf solche Grosszügigkeit verlassen kann, ist fraglich.

-Territorien enthalten Biomasse und viel Biodiversität, die Leckerein künftiger Märkte, drum muss das Intell. Property System im Rahmen int. Handelsvereinbarungen reformiert werden,

-Technologie- und Forschungsungleichgewichte müssen abgebaut werden, z.B. durch Technologie- und Wissenstransfer, im Rahmen von Open Access oder Freigabe von Patenten.

Schlussfolgerung: KNOWLEDGE COMMONS SCHAFFEN!

- Patentrechte müssten abgeschafft werden. Oder:

- Solange Patentierungsrechte für Leben privat aneignungsfähig sind, müssten im Rahmen des bestehenden Systems als Schutz vor Verlust und Ausverkauf kollektive Patentrechte für eine Gemeinschaft vergebbar sein, das erforderte eine weitere juristische Innovation

- Zweifel, ob das geht und der Weg ist, weil im gleichen Paradigma, Aufgabe für weiteres Nachdenken im Dialog mit Patentrechtspezialisten und Lobbyisten wird hier gesehen

- Ideenanleihen bei den digital commoners, die auf Open Access setzen und nicht auf Wegschließen durch Patentierung

- Gefahr: Eigentums- und Patentrechte und die ihr anhaftende Fähigkeit in handelbare Güter umgewandelt zu werden, führt zu Konflikten und Spaltung der Gemeinschaften. Es ist zudem im Normalfall gar nicht so einfach, zu definieren, wer zu einer solchen Gemeinschaft gehört; wer zu einer ethnischen Gemeinschaft gehört ist meistens schwer genau zu fassen, und nicht alle Mitglieder einer solchen Gemeinschaft gehören zu denen, die am relevanten Wissen teilhaben. Die Abgrenzung zwischen denen, die Eigentumsrechte haben sollen, und den anderen kann deshalb kaum so gezogen warden, dass alle damit einverstanden sind. Deshalb ist es sehr viel sinnvoller, wenn Unternehmen, die von der Grosszügigkeit der Bewohner von Gegenden mit grosser Biodiversität profitieren, genauso grosszügig ihr eigenes Wissen mit diesen Menschen teilen, im Sinne von Open Source.

-Wert # Preis: Wert kann immer sein, Gebrauchswert oder Waren-/Marktwert, Commoners stellen sinnlich-immaterielle Werteschaffung stark in den Zielfokus

-Commons sind ein Weg den gemeinschaftlichen Gebrauchswert zu fördern, zu schützen, zu entfalten (auch hier wieder Hinweis auf Notwendigkeit gesicherter souveräner Eigentumstitel und damit Verfügungshoheit)

- weiterer Schutzfaktor vor Verkauf ist der Umstand dass Commons zur Wertsteigerung von Grund und Boden beitragen können, so dass der Preis steigt und damit für andere als die angestammten Nutzergruppen schwer erschwinglich wird

ZUSAMMENFASSENDE GRUNDORIENTIERUNG: Eigentumstitel ermöglichen die freie Entwicklung von Commons, die Schaffung sinnlich immaterieller Werte jenseits von Markt und Staat und unabhängig von der kapitalistischen Geldvermehrungslogik bedürfnisorientiert zu produzieren. Economics of scope, statt economics of scale...

Wenn es gelingt, viele Commons zu schaffen, die miteiander in Verbindung stehen, siehe Wolfgangs rote Kreise, die die blauen Mainstreamorganisationen veränderen, dann erübrigst sich schrittweise auch die Aufrechterhaltung von Rechtstitel für Gruppeneigentum. Viel weiteres Nachdenken ist nötig, schreibt eure Gedanken hier rein und tragt dazu bei.


Being a Commoner. Breaking Disempowering Relationships

Vortrag und Übungen von Silke


Diesen Vortrag habe ich in enger Zusammenarbeit mit Monica Sharma (Indien) erarbeitet. Monica war viele Jahre Direktorin des Leadership and Capacity Development Programms der Vereinten Nationen und ich hatte im letzten Herbst das Vergnügen sie kennenzulernen. Die Grundidee des Vortrags würde ich so zusammenfassen: Strategien eines nachhaltigen, kulturellen Wandels müssen ALLE Problemlösngsebenen - die technische, die politisch-gesellschaftliche und die des "inner space" - ZUGLEICH erfassen. Sonst tragen sie nicht. Im Grunde haben wir das auf der Sommerschule auch gemeinsam erlebt.


Im Folgenden einige Stichpunkte zum Inhalt des Vortrags, der integrierten Übungen und entsprechenden Reflektion aus der Gruppe de Teilnehmenden: 

DAS PROBLEM

  • Probleme, die gelöst werden müssen, werden vor allem technisch angegangen
  • aber der "inner space" der Menschen muss erreicht werden, um Probleme nachhaltig zu lösen (Grundbedingung für Commoning)
  • Präsentation soll analytischen Blick darauf schärfen, worauf wir (strategisch) achten müssen

EIN BEISPIEL: "ENTWICKLUNGSHILFE"

  • warum funktioniert die trotz umfassender Investionen und gut gemeinter Unterstützung nicht? ---> weil die Lösungen partiell sind und meist technischer Art
  • z.B. HIV ---> Kondome verteilen; Klimawandel ---> Emissionsrechtehandel, Leistungsfähigkeit ---> Pharmaindustrie
  • stattdessen ist ein systematischer Eingriff in die Art des Sich-Miteinander-in-Beziehung-Setzens nötig

DAS GILT AUCH FÜR COMMONS

  • z.B. Kommune in den 70ern: Mauer fällt, Aufwertung des Grundstücks, Kinder haben keine Lust auf Kommune -> Commons (dh. Wohnraum als Gemeingut) löst sich auf
  • Es gibt aber systemische Faktoren, die diese Auflösungsprozesse befördern (es ist nicht immer vom good-will des Einzelnen abhängig)
  • 1. Übung: Beispiele der Teilnehmer_innen für Konflikte und Problem in den Commons zur Identifikation  systemischer Faktoren, die Commons-Probleme reproduzieren


BEISPIELE:

Nähcommunity

  • Trotz Kultur des freien Teilens wird manchmal Ideenklau unterstellt
  • aus kapitalistischem Konkurrenz-Denken erwächst die Idee des geistigen Eigentums
  • Ideenvielfalt wird eingeschränkt
  • technische Lösung des Systems als Commons-Problem: Copy Right -> steht der Fülle entgegen


SUSI

  • SUSI hat sich bei Gründung als Beschäftigungswerk definiert
  • bezahlte Stellen (z.B. Büro, Schreinerei, Grünanlagen, etc.) im Projekt für Einzelne
  • systemische Faktoren: Lohnarbeit wird in Commons-Projekt reingetragen -> Verantwortung wird auf bezahlte abgewälzt-> weniger Motivation der Gemeinschaft


Selbstverwaltetes Kulturcafe in Graz

  • Regel: Es darf dort nicht übernachtet werden
  • ein Mensch mit "unnormalem" Lebensentwurf übernachtet aber dort öfter
  • Technische Lösung: Zugangscode wurde ihm weggenommen
  • Wirklicher Konflikt: verschiedene Lebensentwürfe - Regeln einhalten


Spelunke

  • angemieteter Raum für Commons-Projekte
  • muss baulich stark ausgebaut werden -> Geld muss aufgebracht werden
  • Veranstaltung wird gemacht und über Bar Geld eingenommen
  • Preisfrage schwierig, da mensch sich möglichst wenig auf Kapitalismus einlassen will


PROBLEM: MITTELLOSIGKEIT

  • Mensch hat kein Geld um Projekt zu starten
  • Commons-unfriendly Umwelt
  • Zeitproblem, da es lange dauert an Geld zu kommen


MACHTVERHÄLTNISSE IN SOZIALBEZIEHUNGEN

  • HIV-Beispiel: hemmende Aspekte, das Problem anzugehen, wenn z.B. eine HIV Diagnose gestellt wird: Sex, Furcht, Scham, Tod, Verleugnung, Stigmatisierung, Diskriminierung ---> sind Ausdruck der Machtverhältnis zwischen den Menschen 
  • lässt man "Sex" weg, dann bleiben die anderen Faktoren in der Regel in alle Konflikten erhalten - sie sind immer Ausdruck von Machtbeziehungen, die Commoning erschweren


WIE DAMIT UMGEHEN? ----> INNER SPACE

WICHTIGER NOCH ALS SYSTEMISCHE FAKTOREN/URSACHEN ZU ERKENNEN IST DER "INNER SPACE", also das was mich wirklich trägt und wofür ich stehe

  • Frage an die Teilnehmenden:

"Was lässt Euch immer wieder den nächsten Schritt, um eine Idee zu verfolgen/ ein Commons aufzubauen, auch wenn ein nüchterner Blick auf die Machtverhältnisse, auf das commons-feindliche Umfeld oder die eigene prekäre Situation u.v.m. dem entgegen stehen? Was lässt Euch immer weiter gehen?"!

  • nur wenn wir auch die Ebene des Selbstverständnis des Individuums ansprechen, können wir nachhaltige Veränderung erreichen und Machtverhältnisse verändern

Ein Kollege von der Great Transition Initiative (GTI), Robert William Masters, hat es mal so ausgedrückt:

"In my work with senior managements of corporations, educational institutions and local governments, and individuals, the only process I have ever seen work is for people willing to courageously face mentally, emotionally, physically and spiritually their belief systems being dismantled and at the same time being supported and guided through a process(es) to discover and begin to act from a consciousness equal to the challenges they face. ... but the level of commitment and consciousness needed to design such a process is beyond our mental comprehension. There in lies the challenge."


MOTIVATION

  • wie kann jemand Commoner werden? ---> the inner space, intrinsische Motivation erreichen und ansprechen
  • Microsoft reproduziert Muster des Neuen (Softwarenutzung als neue Kulturtechnik + proprietäres Produktions und Vertriebssystem) und hat es sich zunutze gemacht (Code bleibt unzugänglich und wird kontrolliert)
  • Das kann im Prinzip auf Commoning übertragen werden: es geht darum, Muster des Commonings zu erkennen und sie (als Muster, nicht im Konkreten) zu reproduzieren


QUELLEN DER MOTIVATION IM AUDITORIUM

  • Freiheit: niemensch hat das Recht, die Freiheit eine_r anderen einzuschränken -> macht ärgerlich, Commoning macht es möglich, dass jede_r dieselbe Freiheit verspürt
  • Widersrpruch von Freiheit und Empathie
  • Leben ist schöner zusammen, in Gemeinschaft
  • Gemeinschaftszugehörigkeit stiftet Sinn
  • beste Möglichkeit der Entfaltung aller
  • Liebe zum Leben und zu allem was lebt
  • alles soll bei der Selbstentfaltung unterstützt werden
  • Heilung: im Moment ist viel zerrissen (innerlich und zwischenmenschlich)
  • Zwang zum Commoning: Kapitalismus ist keine Option
  • tiefes Gefühl von Verantwortung aus Dankbarkeit für das, was mir im Leben gegeben wurde
  • Freiheit und Resonanz mit sich und anderen
  • Gerechtigkeit, was mich wieder aufstehen lässt: den Übergang der "Kapitalismus-Episode" beschleunigen
  • Neugierde (traue mich nicht zu hoffen, die Welt verändern zu können)
  • Fürsorge ("was vom Universum einmal bleibt, ist die sanfte Hand, die einem anderen über die Wange strich" Quelle?)


KERNWERTE <-> EMPFANGENE WERTE

  • die eben genannten sind vor allem Kern-Werte (core values), sie kommen von innen
  • empfangene Werte kommen von aussen, kann aber oft zusammenhängen und von einem Kern-Wert schwer unterschieden werden
  • Unterscheidungshilfe: empfangene Werte: "ich muss so sein" <> Kernwert: "ich will so sein"
  • "du musst fair sein" funktioniert nicht richtig
  • Wertekritik: intrinsische Motivation kann kaum kritisiert werden (?)


KERNWERTE

  • den anderen zuhören können
  • statt sachliche Argumente sollten Motivationen mit angehört werden


ZUHÖRÜBUNG

  • Nicht-Zuhören kann Angst machen, aber auch herausfordern
  • Zuhören wirkt charismatisch
  • richtiges Zuhören kann Gegenüber öffnen, Verbindung schaffen
  • Erzählen ist auch ein Stück weit eine Entblösung/ sich-verletzlich-machen


FAZIT

  • Bill Gates-Muster-Erkennung auf Commoning übertragen
  • für Commons Muster erkennen und für das Commoning anwenden
  • "lass dich irritieren und hör auf Dich, hör Dir zu
  • Aufmerksamkeit mag irritieren, ist aber sehr authentisch, ermächtigt
  • Achtsamkeit ist auch kulturell verschieden: in Deutschland ist Aufmerksamkeit von Mächtigen nicht die Norm
  • Commoners sind super Zuhörer - sie freuen sich über das Dasein des Gegenübers und was das Gegenüber mir geben kann - Erkennen das Gegenüber als Bereicherung

Menschenbild und Bedürfnisse

Welche Menschenbilder gibt es?

  • Es könnten sein: Menschenbild Abbild Gottes; Mensch ist des Menschen Wolfs; ... Der Mensch hat sich über die Geschichte entwickelt; was der Ursprung ist, ist egal; der Mensch ist gesellschaftlich; darwinistisches Menschenbild etc.

Aber: Was ist mit Menschenbild überhaupt gemeint? Warum ist es wichtig?

  • Wie geht man damit um, wenn andere mit dem Menschenbild argumentieren (z.B. der Mensch ist eigenützig)?
  • Menschenbild ist eigentliche eine kritische Auseinandersetzung
  • Menschenbilder haben die Funktion ein bestimmtes Weltbild zu begründen (Gesellschaft, Geschichte)
  • Statt Menschenbild: "Begriff vom Menschen"
  • "Commons wäre wunderbar, aber der Mensch ist ja nicht so"
  • Ausgehend vom Homo oeconomicus werden in der Wirtschaft Theorien aufgebaut
  • dm-Gründer: Der Mensch hat zwei Menschenbilder: Eins das man auf sich bezieht und eins das auf andere bezogen wird

Das Thema Bedürfnisse wird zur Erweiterung in die Diskussion eingebracht

  • Bedürfnisse ist ein zentraler Begriff, wird aber nicht geklärt, was unter Bedürfnissen verstanden wird

Gibt es unterschiedliche Konzepte von Bedürfnissen?

  • In der Menschheitsgeschichte ging es darum, Handlungsräume zu erweitern (ontologisch); sonst stellen sich Bedürfnisse historsich-gesellschaftlich dar
  • Bedürfnisse verändern sich
  • Vorhandensein von Grundbedürfnisse => nicht verdinglicht Bedürfnisse betrachtet; Bedürfnissen sind auf der menschlichen Seite
  • Art und Weise der Bedürfnisse ist historisch gesellschaftlich ausgeprägt (womit du dein Bedürfnis befriedigst)
    • Bedürnisse sind nicht nur sinnlich-vital, sondern es gibt auch produktive Bedürfnisse (Begriff aus der Kritischen Psychologie): Man möchte sich daran beteiligen unsere Lebensverhältnisse herzustellen

Warum gibt es produktive Bedürfnisse?

  • Beteiligungs- und Verfügungsfähigkeit ist wichtig um die Bedürfnisse zu befriedigen (z.B. Hungersnot: Der Hunger ist zwar schlimm und kann durch Nahrungsbereitstellung z.T. befriedigt werden, aber nicht darüber verfügen zu können ist ebenso unbefriedigend)
  • Homo sapiens waren ziemlich gut vernetzt (anhand der Verbreitung der Werkzeuge wurde das festgestellt) => Ausschließung war nicht lebensgefährlich wie zur Zeit der Neandertaler
  • Vermitteltes Bedürfnis an gesellschaftlichen Prozessen teilzuhaben
  • Commons ist die Maximierung von Freiheit
  • Der Diskurs über Grundbedürnisse und Luxusbedürfnisse ("wahre und falsche") geht nicht weit; Bedürfnisse aus der Werbung sind da; man kann fragen, woher sie kommen
    • Diskurs um den Klimawandel und Ökologische Probleme =>Problematische Debatte der Suffizenz und der Reduzierung von Bedürnissen
  • ABER: Es geht um die Maximierung der Bedürfnisse
  • Bedürfnisse kann ich nur selbst entfalten und definieren
  • ich schade mir selbst, wenn ich auf Kosten eines anderen meine Bedürfnisse befriedige
  • Logische Konstruktionen im Verhältnis zur Realität
  • Commons sind befriedigend, man selbst stellt sicher, dass es gut geht
  • Was ist man bereit zu tun?
  • Umformulierung des Problems hin zu einer gesellschaftlich Lösung
  • Wenn an jeden gedacht, ist an alle gedacht


FAQs zu Bedürfnissen:

  • Gibt es richtige und falsche Bedürfnisse?
  • Ist der Mensch von Natur aus fähig für Commoning?
  • Müssen wir unsere Bedürfnisse in Zukunft nicht einschränken?

Lernnetzwerke

Vorschlag: Lernnetzwerk für Lebensfülle Wolfgang Höschele

Unten steht ein Vorschlag, wie man zur Vernetzung von Commons und ähnlichen Projekten beitragen könnte, mit Fragen, die ich zur Diskussion gestellt habe, und Kommentaren, die in der Open-Space Diskussion aufkamen.

Zweck Lebensfülle auf zwei Weisen ermöglichen – das heiβt, dazu beitragen, daβ alle Menschen Zugang zu allem haben, was sie für ein erfülltes Leben brauchen, indem erstens das dazu notwendige Wissen auf praktische Weise im Internet bereitgestellt wird, und zweitens es den dazu gewillten Menschen erleichtert wird, sich gegenseitig zu finden und ihre Projekte weiterzuführen. Lebensfülle bedeutet, daβ alle Menschen erfüllt leben können, und eine Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten in Fülle leben können.

Mehr Informationen unter Lernnetzwerk


Commons & Kommunismus

Input: Stefan Meretz:

Die Begriffe sind nicht identisch. Was verbindet? Was trennt? Was ist gemeinsam? Was verschieden?

Das Wort comunes steckt in beidem, ebenso das Streben nach Emanzipation.
Dieses Streben gibt es, solange es Herrschaftsverhältnisse gibt. Aber die Vorstellung, dass es eine andere Gesellschaft geben könnte, die nach anderen (emanzipatorischen) Prinzipien funktioniert ist relativ modern. Die erste frühe Utopie wurde von Thomas Morus in UTOPIA beschrieben (1516), und zwar als Alternative zur feudalen Gesellschaft. Darin wird eine Vorstellung von Freien und Gleichen vermittelt, die sich zusammenschließen in Abgrenzung zu dem, was damals als Unterdrückung erlebt wurde. Mit der Aufklärung wurden viele Impulse von Morus u.a. aufgegriffen und mit der Vorstellung von Freiheit/ Gleichheit/Brüderlichkeit zusammen gebunden. Es kamen Konzepte wie Individualität, Gleichheit unter den Menschen u.a. in die Welt, die es so vorher nicht gegeben hatte. Bislang hatte man die Orte und gegebenen Verhältnisse inkl. der Abhängigkeitsverhältnisse als solche akzeptiert. Das Herausgehen aus Strukturen war gar nicht vorstellbar.

Die materiale Verankerung der individuellen Lebensweise wurde mit der Zeitenwende um 1620 (siehe Vortrag Uli) aufgebrochen. Vor der Zeitenwende hatten alle Menschen und auch alle Dinge ihren Platz und ihre Bedeutung in der personal-herrschaftlich strukturierten Gesellschaftshierarchie. Mit der Zeitenwende wurde die Übereinstimmung des Vorgefundenen mit einer festen Bedeutung (ideologisch abgesichert vor allem durch die Religion)aufgelöst und es entstand so etwas wie der Begriff von Freiheit und Individualität. Das ist die gemeinsame Wurzel von beidem: Commons und Kommunismus.

Kommunismus ist eng verbunden mit dem Kapitalismus. Bekannt wurde der Begriff durch eine Auftragsarbeit. Der Bund des Kommunisten hatte das Manifest der Kommunistischen Partei bei Marx/Engels in Auftrag gegeben, die sich nicht gleich an die Arbeit gemacht haben und dann mächtig unter Zeitdruck standen. Sie haben das Manifest schließlich in nur 2 Wochen geschrieben. Heute gehört es zu den am häufigsten publizierten Schriften weltweit. Es ist einerseits eine Utopie, andererseits ein historisches Zeitdokument.

Marx' Reflexionen waren durch konkrete Beobachtungen von Unterdrückung beeinflusst. Während seiner Tätigkeit als Redakteur der Rheinischen Zeitung schrieb er beispielsweise über die Holzdiebstahlgesetze (ein Commons-Enclosure) und die elende Lage der Moselbauern. Wie viele Theoretiker fragte er sich, was gegen solche Verhältnisse zu tun sei. Dieses konkrete und unterschiedliche Erleben von Unterdrückung hat in der Differenzierungsgeschichte des Kommunismus eine große Rolle spielt. Also Abspaltung des Anarchismus usw.
Engels hat im Wesentlichen die Arbeit finanziert und Marx hat sich „selbstentfaltet“, also sich einer Sache verschrieben; Marx hat versucht zu verstehen, wie Kapitalismus funktioniert, denn es hilft wenig, sich eine andere Gesellschaft zu wünschen. Man muss die Entstehensbedingungen des Gegenwärtigen verstehen, um zu einer anderen Gesellschaft zu kommen.

Marx hat sich in diesem Sinne gegen utopische Vorstellungen (utopischer Sozialismus) gewendet. Er war zwar Philosoph, hat aber auch die naturwissenschaftliche Seite gesehen (Fan von Darwin). Aus den früheren Schriften spricht eher der Philosoph. Nach dem Kommunistischen Manifest (1848) folgte das Kapital I (1867). Danach hat die Arbeiterbewegung gewissermaßen Ansprüche gestellt, die Theorien verständlich rüberzubringen, sie auszuformulieren.

Gothaer Programmparteitag der SAP 1875 – hier hat auch die SPD ihre Wurzeln ---> Marx übte heftige Kritik am Gothaer Programm. Diese ist anschaulich geschrieben. Der Text versucht zu konkretisieren. Marx hat darin zwei Phasen erfunden „1. und 2. Phase des Kommunismus“ und hat für beide Phasen Kriterien formuliert (womit wir uns dann in der Schule rumschlagen mussten – S.H.). Die Kritik am Gothaer Programm wird von einigen sehr geschätzt, Stefan hält sie für „eine der schwächsten Schriften von Marx“.
Hier wird für die zweite, höhere Phase des Kommunismus das Prinzip formuliert: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ D.h. Es ist klar – alle müssen arbeiten, aber irgendwie nur soviel sie vermögen. Auch aus dieser Utopie spricht noch die alte Arbeitsgesellschaft. Dies wird deutlich, wenn man sich das später formulierte Prinzip für die erste Phase des Kommunismus (später Sozialismus genannt) anschaut: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung.“

Das, was später zum real existierenden Sozialismus geworden ist, konnte sich zu Recht auf die Kritik am Gothaer Programm beziehen und mit der „Diktatur der Arbeiterklasse“ argumentieren, die dort formuliert wird. In der ersten Phase, so Marx, müsse also der Staat gestärkt werden. Während die zweite Phase besteht darin, dass das, was man in der ersten Phase aufgeblasen hat, „abstirbt“. Genau das war die Konzeption, die im Realsozialismus vermittelt wurde. Daran hat auch Lenin angeknüpft und die Rolle der Partei als Avantgarde betont.

An diesem Denkmodell gab es schon immer Kritik – u.a. vom Anarchismus, der den Staat von Anfang an als Teil des Problems empfand. z.B. Proudhon – mit dem sich Marx sehr intensiv auseinandergesetzt hat. Dabei hat er die Proudhonschen Ideen, die er früher massiv kritisierte, dann selbst als positive Beschreibung der ersten Phase des Kommunismus (=Sozialismus) in die „Kritik des Gothaer Programms“ geschrieben.

Band 1 des „Kapitals“, letztes Kapitel (24), Die Ursprüngliche Akkumulation, ist ein Kapitel über die enclosure of the commons. Darin analysiert Marx, warum enclosure für den Kapitalismus nötig ist, da Kapitalismus v.a. freie Arbeitskräfte braucht. Und die bekommt man, indem man sie von ihren Subsistenzmitteln trennt. Bauern wurden zu Landarbeitern, zu Fabrikarbeitern. Marx hat sich damit gegen die Vorstellung gerichtet, dass der Unternehmer jemand ist, der vorher spart und dann ein produktives Setting herstellt, danach Leute einstellt und immer nur mit dem produziert, was er hat. Er machte deutlich, dass enclosure ein gewalttätiger Prozess ist. Und zudem einer, der nicht einmalig stattfindet, sondern immer wieder stattfinden muss. Rosa Luxemburg hat das erweitert und gezeigt, wie solche „Landnahmen“ immer wieder neu stattfinden – bis heute: Landnahme des Wissens, der Emotionen, der sozialen Beziehungen, des Körpers …

Unterschiede in der kommunistischen Bewegung:

Es gab unterschiedliche Unterdrückungsformen, gegen die sich die Menschen zur Wehr gesetzt haben, d.h. der Feind war immer klar. Ebenso die Vorstellung: „wenn die anderen weg sind und wir dran sind, dann können wir das besser regeln“. Was dabei immer übersehen wird ist, dass der Kapitalismus nach einer inneren Logik abläuft, der sich auch jenseits dieser personal-konkreten Herrscher (etwa den Kapitalisten) reproduziert.

Dh. es ging i.d.R. um die Abschaffung des Kapitals über den Weg der Abschaffung der Kapitalisten. Es gab somit weniger eine Kritik an der konkreten sozialen Form, in der produziert wurde (Warenform), sondern die Frage der politischen Herrschaft (Wer ist an der Macht?) wurde in den Mittelpunkt gerückt. Nach dem Motto: Wenn wir erst den Strom der Waren lenken können, wird besser verteilt. Auch das wurde im Realsozialismus umgesetzt.
Dh. Produktionsweise blieb gleich, nur die Macht war anders verteilt. Die Betriebssystemslogik der Warenproduktion bleibt, nur wurde der Markt (als Steuerungsinstrument) durch den Plan ersetzt. Und wenn wir schonmal Warenproduktion haben, dann ist Planwirtschaft die schlechtere Regulationsform. Und warum? Weil man Bedürfnisse nicht planen kann.

Die Leitfrage muss also eine andere sein. Sie muss über die Frage; wie man die Macht erringen kann, hinaus weisen. Sie könnte lauten:

---> Auf welche Weise wollen wir unsere Lebensbedingungen herstellen? (Commonsperspektive) Wie wollen wir Ressourcen nutzen, um sie zu schöpfen, zu pflegen, zu erhalten, immer wieder herzustellen?
Die kommunistische Leitfrage war ursprünglich auch so, aber sie wurde abgewandelt zu:


> Wie wollen wir das, was produziert wird anders verteilen?
Damit ist immer (nur) die Ebene der Regulation und der Politik angesprochen und nicht die viel basalere Frage nach der Herstellung unserer Lebensbedingungen.

Es ist also kein Widerspruch festzustellen, sondern ein anderer Fokus. Der Commonsdiskurs spricht andere Ebenen an.

Aber: Man kann auch die konkrete politische Geschichte nicht außen vor lassen. Die Idee, es ginge im Wesentlichen um den „richtigen politischen Regulationsmechanismus“, ist verabsolutiert worden und hat zu den schlimmsten Unterdrückungsformen geführt. Davon kann niemand einfach absehen. Das muss immer mitgedacht und reflektiert werden. Kritiker der Commons können die konkrete Geschichte als „Knüppel“ benutzen.

Zusammenfassung:
Wir befinden uns also in einer geschichtlichen Linie der Emanzipation, müssen aber zugestehen, dass Fehler gemacht wurden/werden, die als solche zu benennen sind. Aber deswegen müssen wir nicht den Begriff des „Gemeinsamen“ (s.o.) aufgeben.

Es gibt Gemeinschaften auf allen verschiedenen Ebenen, man muss sich mit kleinen Einheiten (Haushalt, Dorf, Stadtteil, Stadt, Vereine,...) auseinandersetzen. Wenn der Demokratiebegriff von diesem Gemeinschaftsbegriff abgeleitet wird, muss er das ernst nehmen.

Diskussion:

  • Rolle der Feuerbach Thesen, Marx: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an sie zu verändern.“ Das veränderte Engels zu „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt ABER darauf an sie zu verändern“ ==>Interpretieren und Verändern taucht hier als Entgegensetzung (Dualismus) auf, während die Marxsche Originalversion eine Reihung enthält (interpretieren und verändern).

Besser: „Fragend schreiten wir voran“, weil es den Prozess und die ständige Veränderung betont.

  • Woher kommen „die Kapitalisten?“ Wie sind die Rechtssetzungen, warum haben sich die Menschen enteignen lassen? Die Ländereien gehörten oft schon den Feudalherren, diese erlaubten nur die eigenständige Nutzung. Später wurde z.B. Viehzucht lukrativer als Ackerbau war, woraus Enclosures resultierten, um Weideland zu gewinnen und im Zuge dessen gingen Arbeitsplätze verloren („Schafe essen Menschen“), eine Veränderung der Besitzverhältnisse wurden erforderlich. Dazu wird aber i.d.R eine positive Geschichte erzählt (Wohlstandsversprechen) – enclosures wurden attraktiv gemacht
  • Warum muss es im Kapitalismus immer zu neuen Enclosures kommen (vgl. Rosa Luxemburg)?: Massimo de Angelis: „Die Trennlinie zwischen Kapitalist und nicht-Kapitalist geht durch jeden von uns hindurch, und sie verläuft bei jedem von uns woanders.“ Das Kapital beruht darauf, Arbeit aus der nicht-kapitalistischen Hausarbeit herauszunehmen. Dazu kommt die Wachstumslogik im Kontext globalen Wettbewerbs (billiger produzieren oder neue Märkte erschließen) Es wir nicht mehr gefragt: Auf welches Ziel produzieren wir hin? Materielle Warenproduktion oder sinnlich-materielle Bedürfnisbefriedigung? Reichtum, der sich monetär ausdrückt, hat zwei Quellen: Arbeitskraft und Naturressourcen / Allgemeinressourcen. Beide werden angeeignet, in die Verwertung gesetzt und dann zu Geld gemacht. Wenn Gewinn nicht mehr realisierbar ist, wird die Ressource / Ware abgestoßen. Der Kapitalismus muss immer nach neuen Ressourcen zur Aneignung suchen. Achtung: Die Idee der absoluten Knappheit ist eine Illusion! Neue Technologien begeben sich auf eine Ebene, auf der eine riesige unerschlossene Fülle vorhanden ist. Das heißt auch: „There is plenty of money at the bottom.“ (Feynman paraphrasierend)
  • Warum werden Unternehmer immer mit der Einhegung assoziiert? Es gibt doch verschiedene Formen des Unternehmertums!: Die Problematik ist das umgebende System, das auf Konkurrenz, Wachstum, Dominanz etc. basiert.


Ausblick:
Ein Diskurs, der auf Herrschende-vs-Beherrschte-Klassen basiert, ist nicht hilfreich. Es geht darum zu erkennen wie Prozesse und Mechanismen funktionieren. Gemeinsamkeiten zwischen Commons und Kommunismus erzeugen Unbehagen. Wir brauchen klare Stellungnahmen/Kernpunkte/Argumentationspunkte (FAQs)



Konflikte und Commons

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